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Bayreuth 957 Inschriften (1787-heute)

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epidat - epigraphische Datenbank

ID bay-179
Lizenz Creative Commons Attribution-BY 4.0 International Licence [CC BY]
Zitation Digitale Edition ─ Jüdischer Friedhof Bayreuth, bay-179: http://steinheim-institut.de/cgi-bin/epidat?bay-179

Name

Chava bat Natan ⚭ Elijahu (Eva ­Bayersdörfer) [23.07.1790]          

Diplomatische Transkription und Übersetzung

‎‏פ״ט‏‎ Hier ist geborgen
‎‏האשה הצנועה במעשיה נעימה‏‎ die züchtige Frau, in ihren Taten anmutsvoll,
‎‏חוה בפיתקתה למרומה עלתה‏‎ Chava, in ihrer Besiegelung stieg sie zu ihrer Höhe empor,
‎‏בת מלך כל כבודה פנימה‏‎ ›die Königstochter, ihre ganze Herrlichkeit ist im Innern‹,
‎‏הררי אל בעדן גינתא‏‎ 5 (wie die) Berge Gottes, im Eden-Garten
‎‏נתן לה יקר תפארת מעשיה‏‎ - Natan - gab er ihr (entsprechend) der ›Pracht und Glanz‹ ihrer Taten,
‎‏אשת חיל ותיקה? כבן בבא‏‎ ›die tüchtige Gattin‹, bewährt wie ben Bawa,
‎‏כ״ה יקוננו פנה זיוה והדרה‏‎ so werden sie wehklagen: ›Es schwand ihr Glanz und ihre Pracht‹,
‎‏אליהו בימיו תעלה בימי התחיה‏‎ Elijahu, in seinen Tagen wird sie aufteigen, in den Tagen der Auferstehung,
‎‏מנחם תק״נון י״ב בו נפטרה‏‎ 10 (im) "Tröster" 550, den 12. desselben, verschied sie.
‎‏תנצב״ה‏‎ Ihre Seele sei eingebunden in das Bündel des Lebens

 

 Zl 4: Ps 45,14  Zl 6: Est 1,4  Zl 7: Spr 31,10  Zl 8: BerR 68

Kommentar

Datierung Gestorben Freitag, 23.07.1790
Diese Inschrift gibt den Namen der Verstorbenen in den Zeilenanfängen von oben nach unten gelesen in ausgeschriebenen Worten an, die gleichzeitig in den fortlaufenden, durchgehend mit Endreim versehenen Text eingewoben wurden - eine kunstvolle Stilform, die sich in der Folge großer Beliebtheit erfreute.
Zl 3: Nach bSot 12a; bei der "Besiegelung" Chavas, der biblischen Eva, ist als Strafe für den Genuss der verbotenen Frucht im Paradies den Frauen der Wehenschmerz auferlegt worden (siehe Gen 3,16). Ihre hier begrabene Namensvetterin Chava starb demnach im Wochenbett.
Zl 5: Nach Ps 36,7; dort von der Gerechtigkeit Gottes gesagt.
Zl 6: Das erste Wort ist in zweifacher Bedeutung zu lesen, sowohl als Vatersname "Natan" als auch als das Verb "geben". Deshalb wurde dieses Verb auch in der Übersetzung gebraucht (anstelle von "vergalt ihr").
Zl 7: Der zweite Teil der Zeile ist nicht ganz sicher. Jehuda ben Bawa ist ein Tanaite, ein Zeitgenosse Rabbi Akiwas, der wie dieser den Märtyrertod durch die Römer erlitt, weil er fünf Gelehrte zu Rabbinern ordinierte, um den Fortbestand des Torastudiums zu sichern. Er gilt auch als ein großer Frommer.
Zl 9: Der Name des Gatten wurde gekonnt in die Wünsche und Hoffnungen für das künftige Leben eingebunden, denn der Prophet Elijahu ist in der jüdischen Tradition bekanntlich ein Vorbote des Messias.
Zl 10: Menachem, "Tröster", ist ein euphemistischer Name für den Trauermonat Aw, in dem der Zerstörung der Jerusalemer Tempel gedacht wird.

Stilmittel

Reim nach dem Schema abab cdcd auf -ima in Zln 2 und 4, auf -ta in Zln 3 und 5, auf -eijha in Zln 6 und 9, auf -ra in Zln 8 und 10.
Akrostichon Die durch Abkürzungszeichen hervorgehobenen Wörter zu Beginn der einzelnen Zeilen ergeben von oben nach unten gelesen den Namen der Verstorbenen: ‎‏האשה חוה בת הר״ר נתן אשת כ״ה אליהו‏‎ / die Frau Chava, Tochter des Meisters, Herrn Natan, Gattin des geehrten Herrn Elijahu.

Beschreibung

Ornament gestalterische Verzierung
Zustand Verwitterung leicht. Das Grabmal weist in der Oberkante sieben Vertiefungen auf, vermutlich fehlt ein (metallener?) Aufsatz.

Zur Person

Chava, bürgerlich Eva, laut Inschrift eine Tochter von Natan, war verheiratet mit dem Handelsmann Elias Juda Bayersdörfer und Mutter von mindestens fünf Kindern: Ihr 1759 oder 1761 geborener Sohn Nathan bekam 1797 eigenständigen Schutz in Bayreuth und fristete sein Leben als "Aufwärter" im Dienst der jüdischen Gemeinde. Die 1773 geborene Tochter Ella, die um 1775 geborene Ester Esterla und die um 1781 geborene Fromet Friederike blieben alle drei ledig. Die Tochter Gittel heiratete Moses Seckel Naumann und lebte mit ihm im Haus ihres Vaters in St. Georgen. Eva starb laut Belegungsliste im Jahr 1797, auch in der "Juden-Familien-Liste" von 1796 ist sie noch genannt, die Grabinschrift gibt das Jahr 1790 an.

Zur Familie

Gatte: Elias Juda Bayersdörfer (Grabstein Nr. bay-0177)
Töchter: Ester Bayersdörfer (Grabstein Nr. bay-0178); Friederike Rosenstein (Grabstein Nr. bay-0194); Ella Rosenstein (Grabstein Nr. bay-0012); Gittel, Gattin des Mosche Secklen (Grabstein Nr. bay-0176)
Sohn: Nathan Bär Rosenstein (Grabstein Nr. bay-0247)

Quellen / Sekundärliteratur

Belegungsliste (BayHStA, Jüdisches Standesregister 64 u. CAHJP G5/165) Nr. 179: Eva, Ehefrau des Elias ­Bayersdörfer · 1797

Fotografien

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Bert Sommer

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2009-05-21
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Zitation der Inschrift

Digitale Edition ─ Jüdischer Friedhof Bayreuth, bay-179
URL: http://www.steinheim-institut.de/cgi-bin/epidat?id=bay-179
(letzte Änderungen - 2016-03-04 23:51)

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Auftraggeber

Bearbeitet im Auftrag der Israelitischen Kultusgemeinde Bayreuth

Förderer

Festspiel- und Universitätsstadt Bayreuth Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern Oberfranken Stiftung


 

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