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Ansbach 122 Inschriften (1829-1949)

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ID ans-102
Lizenz Creative Commons Attribution-BY 4.0 International Licence [CC BY]
Zitation Digitale Edition ─ Jüdischer Friedhof Ansbach, ans-102: http://steinheim-institut.de/cgi-bin/epidat?ans-102

Name

Jentel Chaja ⚭ David (Julie Wallersteiner) [16.07.1921]          

Diplomatische Transkription und Übersetzung

‎‏פה טמנה א״ח מרת יענטל חיה אשת כ׳ דוד עלתה למרום‏‎ Hier ist geborgen ›eine tüchtige Gattin‹, Frau Jentel Chaja, Gattin des geehrten David, sie ›stieg auf zur Höhe‹
‎‏בת ס״ה שנה ביום ש״ק י׳ תמוז ותקבר ב״ג ביום ב׳ בו‏‎ im Alter von 65 Jahren am Tag des heiligen Schabbat, 10. Tammus, und wurde begraben mit großer Ehre am Tag 2 desselben
‎‏בשנת תרפ״א לפרט קטן‏‎ im Jahr 681 der kleinen Zählung.
‎‏ידיה לעני פרשה עוז והדר לבושה‏‎ ›Ihre Hände reichte sie dem Armen‹, ›Würde und Glanz sind ihr Gewand‹,
‎‏נטתה לבה לעשות רצון קונה‏‎ 5 den Willen ihres Schöpfers zu erfüllen war sie geneigt,
‎‏טהרה אין סק.? בנפשה לזכר עולם צדקתה‏‎ rein war sie, kein ... in ihrer Seele, zum ewigen Andenken (bestehe) ihre Wohltätigkeit,
‎‏חגרה בעז מתניה ילדיה גדלה באמונה‏‎ ›mit Kraft gürtete sie ihre Lenden‹, ihre Kinder erzog sie im Glauben,
‎‏הליכות ביתה צפיה‏‎ ›die Hergänge ihres Hauses überwachte sie‹.
Frau
Julie 10
Wallersteiner
geb. 8. Juli 1856
gest. 16. Juli 1921.
‎‏תנצב״ה‏‎ Ihre Seele sei eingebunden in das Bündel des Lebens

 

 Zl 1: Spr 12,4; 31,10 | Zl 1: Ps 68,19  Zl 4: vgl. Spr 31,20 | Zl 4: 31,25  Zl 7: Spr 31,17  Zl 8: Spr 31,27

Kommentar

Datierung Geboren 08.07.1856; gestorben Samstag, 16.07.1921 ; begraben am übernächsten Tag
Während das Grabmal sehr ähnlich gestaltet wurde wie das des drei Monate zuvor gestorbenen Bernhard Nathansen (ans-0098), und beide Grabmale eine lange, kunstvolle hebräische Inschrift tragen, wurde hier die deutsche Inschrift, wie seinerzeit in Ansbach üblich, wieder auf der Vorderseite, unter dem hebräischen Text platziert und durch den darunter gesetzten hebräischen Schlußsegen mit der hebräischen Inschrift verbunden. Die ersten Zeilen mit der Angabe von Namen und Daten wurden rundbogig in das obere Giebelfeld gesetzt und heben sich damit deutlich ab von der folgenden gereimten und mit einem Akrostichon versehenen Eulogie. Wie bisher ist die Länge der Eulogie durch die Anzahl der Buchstaben des Akrostichons bestimmt, die sich durch ihre Größe vom Text abheben, doch aufgrund der Länge des Doppelnamens wurde hier auf eine zeilenweise Wiedergabe verzichtet. Die aus bekannten Zitaten zusammengesetzte Eulogie hebt die klassischen Tugenden einer jüdischen Hausfrau und Mutter hervor, die die Hergänge ihres Hauses überwacht, ihre Kinder zu gottesfürchtigen Menschen erzieht, sich in der Armenfürsorge engagiert und ein gottgefälliges Leben führt.
Zl 5b: Eine im Gebetsritus häufig wiederkehrende Formulierung.
Zl 6a: Das dritte Wort der Zeile ist nicht mehr sicher zu entziffern.
Namenskunde Der Name setzt sich zusammen aus dem hebräischen Namen Chaja, wörtl. "Leben", der sich von Osteuropa aus in Deutschland verbreitet hat, und dem Namen Jentel, der auf das romanische "gente"/"gentille", "die Wohlgefällige, die Schöne" zurückgeht und schon im Mittelalter bei deutschen Jüdinnen sehr beliebt war. Als bürgerliches Pendant wählte man mit Julie einen Namen, der mit dem selben Laut beginnt, wie der erste, nichthebräische Name Jentel.

Stilmittel

Reim Binnen- und Endreim auf -a in Zln 4-8.
Akrostichon ‎‏יענטל חיה‏‎ / Jentel Chaja in Zln 4-8.

Beschreibung

Lage Nördlicher Friedhofsteil, Reihe 5, Stein 5.
Beschreibung Hohe Stele mit Rundbogenabschluß. Das vertiefte, ebenfalls rundbogig schließende Schriftfeld hat einen wulstartigen Rahmen (vgl. mit Grabmal ans-0098). Die Inschriften sind zentriert, Zln 1-3 sind bogenförmig angebracht. Der Name in der deutschen Inschrift sowie der hebräische Schlußsegen sind durch größere Buchstaben hervorgehoben. Das Grabmal trägt die historische Grabsteinnummer 102.
Zustand Weitgehend gut erhalten.

Zur Person

Die Familie Wallersteiner betrieb in der Karolinenstrasse einen Antiquitätenhandel. David Wallersteiner (welcher 1929 seinen 75. Geburtstag gemeinsam mit seiner Zwillingsschwester feierlich beging) war lange Jahre Kultusbeamter der Gemeinde als Schächter (ritueller Schlachter) und Hilfsvorbeter und 1924 zum Kassier der Chewra Kadischa gewählt worden.
Als seine Gattin Julie Wallersteiner starb, entrichtete David Wallersteiner am 18. Juli 1921 15 Mark Grabgebühren für seine Frau, sowie 30 Mark für die Reservierung der nebenliegenden Grabstelle für ihn selbst. Der Rechenschaftsbericht der Chewra Kadischa für das Jahr 1920/21 berichtet: "Die letzte Lücke aber, die sich in unserem Gemeindeleben auftat, war der uns allen noch tief in Erinnerung lebende Heimgang der seligen Frau Julie Wallersteiner. Die markanten Worte unseres Herrn Distriktrabbiners Dr. Brader an ihrer Bahre, sowie die Lernvorträge des Herrn Rabbiners Dr. Kohn im Trauerhause lassen jedes Wort des Lobes, des Dankes und der Treue für die Verklärte als überflüssig erscheinen."

Quellen / Sekundärliteratur

CAHJP, D/An2/118 (Rechenschaftsbericht 1920/21; 28.9.1924); D/An2/120, fol. 1+4.
Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 1929, Heft 19 (1.10.1929), S. 318.
Diana Fitz: Ansbach unterm Hakenkreuz, Ansbach 1994, überarbeitete Auflage 2002, S. 84.

Fotografien

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Bert Sommer

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Zitation der Inschrift

Digitale Edition ─ Jüdischer Friedhof Ansbach, ans-102
URL: http://www.steinheim-institut.de/cgi-bin/epidat?id=ans-102
(letzte Änderungen - 2009-11-21 16:59)

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Inschriften des Jahres 1921

Orte jüdischer Geschichte im Umfeld des Friedhofs

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