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Laupheim 921 Inschriften (1761-1979)

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Die Fotografien
Der Friedhof
Die Gestaltung der Grabmäler
Friedrich Adler
Die von Friedrich Adler entworfenen Grabmale
Symbolik auf jüdischen Grabsteinen
Jüdische Symbolik
Nichtjüdische Symbolik
Die Inschriften
Der jüdische Kalender
Quellen
Bibliographie

Vorbemerkung zur Dokumentation der Grabsteine

Die folgende Dokumentation wurde in den Jahren 1991-1992 im Rahmen der Aufnahme aller jüdischen Friedhöfe Baden-Württembergs durch das Landesdenkmalamt Baden-Württemberg und im Auftrag der Stadt Laupheim erstellt.

1998 konnte die Dokumentation durch die Unterstützung des Verkehrs- und Verschönerungsverein Laupheim e.V. in Buchform vorgelegt werden:

Nathanja Hüttenmeister: Der Jüdische Friedhof Laupheim. Eine Dokumentation, hrsg. von der Stadt Laupheim und dem Verkehrs- und Verschönerungsverein Laupheim e.V., Laupheim 1998

Die Dokumentation enthält die Wiedergabe der Inschriften aller Grabsteine und Grabstein-Fragmente des Laupheimer jüdischen Friedhofs. Es wurden auch die Grabsteine in die Dokumentation aufgenommen, die heute keine Schrift mehr tragen und deren Zustand heute keine Identifizierung mehr erlaubt, die aber von John Bergmann anhand seinerzeit noch lesbarer Inschriften bzw. durch einen Vergleich mit der Gräberliste von Rabbiner Treitel (s.u.) zugeordent werden konnten.

Die Inschriften wurden zeilengetreu und mit größtmöglicher Genauigkeit wiedergegeben, jedoch auf die Darstellung der verschiedenen Abkürzungszeichen im hebräischen Text verzichtet. Diese wurden vielmehr vereinheitlicht nach der heute üblichen Schreibweise gesetzt und in der Übersetzung aufgelöst. Nicht mehr lesbare Buchstaben und Zeilen wurden durch drei, in eckige Klammern gesetzte Punkte gekennzeichnet. Drei Punkte ohne eckige Klammern kennzeichnen eine unbekannte Anzahl von verlorenen Zeilen. Häufig konnten jedoch heute verwitterte Inschriften oder Teile derselben nach den Aufnahmen der Grabsteine aus den 50er Jahren (s.u.) ergänzt werden. Diese Stellen wurden in der Wiedergabe der Inschrift ebenfalls durch eckige Klammern gekennzeichnet und im Kommentar vermerkt.

Zu jeder Person wird, soweit nach der Quellenlage möglich, Angaben zum Beruf, zu den Eltern und den Ehepartnern gemacht. Bei vor dem Jahr 1828 Verstorbenen wurde der bürgerliche Familienname - soweit bekannt - auch dann dazugesetzt, wenn er erst 1828 von der Familie angenommen wurde, um die Familienzusammenhänge deutlicher zu machen. Soweit die Angehörigen ebenfalls in Laupheim begraben wurden, wird die entsprechende Grabsteinnummer angegeben, ansonsten, soweit möglich, die Lebensdaten. Eine Jahreszahl in runden Klammern ohne weitere Zusätze bedeutet geboren und gestorben im selben Jahr.

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Die Fotografien

1950: Die mit „1950“ gekennzeichneten Aufnahmen wurden in den 1950er Jahren im Auftrag von Herrn Hellmut Steiner, St. Gallen, von dem Fotografen Schönle, Heidenheim, aufgenommen und eingescannt. Sie liegen heute im Stadtarchiv Laupheim.

1991: Die mit „1991“ gekennzeichneten Fotografien wurden im Jahr 1991 vom „Laupheimer Fotokreis e.V. für die Dokumentation des Friedhofs aufgenommen und eingescannt.

ab 2005: Die Aufnahmen seit dem Jahr 2005 stammen von Michael Schick, Laupheim.

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Der Friedhof

Der alte Begräbnisplatz der jüdischen Gemeinde auf dem - noch immer so genannten - Judenberg ist inzwischen von der Stadtentwicklung eingeholt worden: Eingeschlossen von der Altstadt im Südwesten und neuen Wohngebieten im Nordosten liegt er heute inmitten der Stadt.

Man betritt den Friedhof durch eine kleine, tagsüber geöffnete Pforte neben dem Tor in der südwestlichen Ecke, die im Jahr 1855 beim Bau der noch bestehenden Friedhofsmauer angelegt wurde. Ein zweiter Eingang auf der Südseite des Friedhofs in Richtung der in der Pogromnacht zerstörten Synagoge ist heute zugemauert.

Nachts ist der Friedhof verschlossen und von Laternen erhellt. Dies und seine heute zentrale Lage konnten ihn bis heute vor einer Schändung bewahren, wie sie leider immer noch häufig geschieht.

Der Friedhof umfaßt heute nach mehreren Erweiterungen insgesamt fast 47 Ar. In Form eines langgestreckten Rechtecks erstreckt er sich vom ältesten Teil im Westen bis zum neuen, nicht mehr voll belegten Teil im Osten, wo er durch im Halbrund gepflanzte Zierbäume abgeschlossen wird.

Über 900 Grabsteine und Grabsteinfragmente haben sich erhalten. Meist nach Osten, in Richtung auf die heilige Stadt Jerusalem ausgerichtet, stehen die Grabsteine in ca. vierzig geraden, in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Reihen. Während die Grabmale im ältesten Teil im Westen noch in lockerer Abfolge über den Rasen verteilt sind, so schließen sich die Reihen bald, die Grabsteine stehen immer dichter gedrängt.

Die Geschichte des Friedhofs geht weit ins 18. Jahrhundert zurück. Die Sorge für die Toten, das heißt die Anlage eines Friedhofes, gehörte zu den ersten Anliegen einer neuen Gemeinde. Im Jahrr 1730 wurde in Laupheim der erste Schutzbrief ausgestellt. Dieser legte bereits die Abgaben fest, die bei einem Todesfall von den Juden an die Herrschaft zu zahlen waren: 2 fl bei einem Erwachsenen und 1 fl bei einem Kind. Und so wird hier mit dem Zuzug der ersten Familien in den folgenden Jahren der Friedhof angelegt worden sein. Die genauen Anfänge liegen jedoch im Dunkeln.

Nach jüdischer Vorstellung muß die Totenruhe bis zum Jüngsten Tag und bis zur Auferstehung bewahrt bleiben. Die Auflassung eines Friedhofs und eine Neubelegung von Gräbern sind somit unvorstellbar. Daher mußte es das besondere Bestreben einer jungen Gemeinde sein, ein geeignetes Gelände zu finden. Doch da den Juden der Erwerb von Grundbesitz verwehrt blieb, war eine Gemeinde bei der Wahl eines geeigneten Geländes von der Willkühr der jeweiligen Herrschaft abhängig. Oft wurde den Juden nur landwirtschaftlich nicht nutzbare Flächen als Begräbnisplatz zugestanden, Waldstücke, Steilhänge, meist weit entfernt der Siedlungen gelegen. Anderen Gemeinden wurde das Recht auf einen eigenen Friedhof ganz verwehrt, und so mußten sie sich einen, oft weit entfernten Friedhof mit anderen Gemeinden teilen. So entstanden große Verbandsfriedhöfe. Damit stellt der jüdische Friedhof in Laupheim eine Ausnahme dar: Die Herren von Welden stellten der Gemeinde ein Gelände als Begräbnisplatz zur Verfügung, das direkt an das den Juden zugewiesene Siedlungsgebiet grenzte, den sogenannten "Judenberg".

In den ersten Jahrzehnten umfaßte der Friedhof ca. 200 Quadratmeter, direkt angrenzend stand die 1770 erbaute Synagoge. Doch mit dem Anwachsen der Gemeinde auf vierzig Familien im Jahr 1784 reichte der ursprünglich zugestandene Platz bald nicht mehr aus. Allerdings sind nur wenige Grabsteine aus dieser Zeit erhalten. Sie stehen heute in lockerer Abfolge über den ältesten Friedhofsteil verstreut, klare Reihen sind noch nicht zu erkennen. Die ältesten Grabsteine stammen aus den Jahren 1761, 1764 und 1768, aus den 1770er Jahren stammen zwei oder drei weitere, aus den 1780er Jahren sind keine Grabmale erhalten. Die großen Lücken machen deutlich, daß sich viele Grabmale nicht erhalten haben, einzelne Gräber mögen auch ohne Grabstein geblieben oder von einem Holzmal gekennzeichnet worden sein (ein solches ist in Laupheim für das Jahr 1822 bezeugt). Doch kann, insbesondere angesichts der hohen Kindersterblichkeit, davon ausgegangen werden, daß das ursprüngliche Friedhofsfeld inzwischen weitgehend belegt war.

Mit der Austellung des dritten Schutzbriefes im selben Jahr muß die Gemeinde daher um Erweiterung ihres Friedhofes gebeten haben, und sie erhielt die entsprechende Erlaubnis: Unter Punkt 5 des Schutzbriefes wird nicht nur die Erweiterung des Todtenbegräbnis zugestanden sondern auch von beiden gnädigen Herrschaften der nötige Platz dazu unentgeldlich zugesichert. Es haben von denen bei der gnädigen Herrschaften den erfindenden Erweiterungsplatz in gleich proportionirtem Mass herzugeben, oder die einte, die keinen Platz hätte, der anderen den Ersatz zu machen. Durch das von den Herren von Welden auf Groß- und Kleinlaupheim großzügig zugestandene Gelände konnte der Friedhof nach Osten hin erweitert werden und umfaßte nun fast 1.200 Quadratmeter.

1822 wurde östlich des Friedhofs eine neue Synagoge errichtet, die alte, die südwestlich an den Friedhof angrenzte, wurde 1828 abgerissen. Der Platz, an dem diese erste Synagoge gestanden hatte, wurde dem Friedhof zugeschlagen. Über einem Teil der neuen Fläche wurde ein Leichenhaus errichtet, der Rest jedoch bis zuletzt offensichtlich nicht belegt. Diese Stelle ist heute mit einem Gedenkstein gekennzeichnet (Nr. 9001).

Nach und nach nimmt nun die Anzahl der erhaltenen Grabmale zu. Seit dem Jahr 1820 findet sich für jedes Jahr mindestens ein erhaltenes Grabmal, bald auch mehr. Die Grabmale bilden nun deutliche Reihen, die seit den 1830er Jahren weitgehend geschlossen sind. Die Belegung erfolgte streng chronologisch entlang der Reihen. Erst in späteren Jahren wurden frei gebliebene Flächen entlang des Weges und der Außenmauern durch jüngere Gräber belegt. In dieser Zeit setzte sich auch der Brauch durch, nach Geschlechtern getrennt zu beerdigen: auf der Nordseite des Friedhofs die Männer, im Süden die Frauen. Diese Ordnung wird bis ins 20. Jahrhundert nur durch einige jüngere Kindergräber auf dem ältesten Teil unterbrochen.

Als im Jahr 1824 Rabbiner David Levi starb, beschloß man offensichtlich, für Rabbiner eine Ehrenreihe anzulegen, wie sie auch auf anderen Friedhöfen zu finden ist. Sein Grab liegt weit entfernt von den anderen Gräbern der Zeit, an der östlichen Grenze des damaligen Friedhofgeländes. Als man jedoch neben ihm im Jahr 1853 Rabbiner Jakob Kauffmann beerdigte, war die Ehrenreihe schon fast von den anderen Grabmalen eingeholt worden, der Friedhof wiederum fast voll belegt, eine weitere Vergrößerung nötig. Schon 1845 schreibt Brigel: "Der Friedhof ... fängt wegen der zunehmenden Bevölkerung schon an, zu eng zu werden, da nach talmud'schen Religionsbegriffen ein altes Grab nicht wieder geöffnet werden solle, daher die Gemeinde 1842 auf Erweiterung durch den Ankauf eines herrschaftlichen Ackers gedacht hat." (S. 35). Dies hat jedoch offensichtlich noch eine ganze Weile gedauert, denn erst 1854 wird der Friedhof erneut erweitert, wiederum nach Osten, diesmal um 1.100 Quadratmeter.

Bisher war der Friedhof von einem Bretterzaun umfriedet. Schenzinger schreibt: "Weil dieser Zaun jedoch nur zu oft schadhaft geworden und durch dessen Lücken Tiere und Kinder schlüpften, um die Gräber zu beschädigen, ist derselbe Gottesacker im genannten Jahre (1856) für die Summe von 1200 fl mit einer festen Mauer umgeben ... worden." Ein großes Tor in der südwestlichen Ecke war für den Leichenwagen bestimmt, eine kleine Pforte daneben für Besucher. Über den Eingängen sind zwei Tafeln eingelassen. Sie geben auf hebräisch und deutsch den Bibelvers Jesaja 38,1 wieder: Bestelle dein Haus, sowie das Datum der Fertigstellung der Mauer, den 11. Tammus 616, das ist der 14. Juli 1856. Mit der Beerdigung des Lehrers Abraham Sänger am 13. November 1856 wurde die neue Friedhofsmauer feierlich eingeweiht.

1865 erstellte der Laupheimer Geometer Bernheim "unter Mitwirkung des Herrn Rabbiner Waelder und Vorsänger Simon Wolf Strauß" einen "Plan über den Israelitischen Friedhof zu Laupheim" aus dem Jahr 1865. In ihm sind die damals bestehenden Begräbnisfelder deutlich gekennzeichnet: Im Süden liegt Feld A, der "uralte Begräbnisplatz" mit wenigen, noch nicht in klaren Reihen geordneten Grabmalen. Doch die freien Flächen täuschen, auch hier war der Friedhof voll belegt. Heute sind dort noch einige Grabmale mehr erhalten, als auf Bernheims Plan verzeichnet. Und dort wurde auch der älteste erhaltene Grabstein gefunden, der umgestürzt und von Gras vollständig überwachsen, zu Bernheims Zeiten wohl nicht zu sehen war. Im Norden von Feld A schließt sich ein schmaler Streifen an, um den der Friedhof beim Bau der Mauer erweitert worden war. Damals dicht belegt, sind dort heute nur noch wenige Grabmale von Anfang der 1860er Jahre erhalten.

Mit dem Buchstaben D ist "die Stelle der kl. Bundeslade an der Ostseite der alten, bis zum Jahr 1822 bestandenen Synagoge" markiert. Es ist also zu vermuten, daß sich an dieser Stelle auch damals schon ein kleiner Gedenkstein befunden hat. Westlich davon steht die Trauerhalle.

Im Osten schließt sich an diesen ältesten Friedhofsteil Feld B an, der "alte Begräbnisplatz". Hier sind die Gräber nun in gleichmäßigen Reihen geordnet, doch fehlten auch hier schon damals Grabsteine. Das Feld wird durch einen in West-Ost-Richtung verlaufenden Weg in einen südlichen und einen nördlichen Teil geteilt und im Osten durch einen in Nord-Süd-Richtung kreuzenden Weg begrenzt, der auf den südlichen, auf die ebenfalls eingezeichnete Synagoge weisenden Eingang zuläuft. Die letzte Reihe auf der nördlichen Seite ist die heutige Reihe 5, in der die Rabbiner Levi und Kauffmann begraben liegen. Während man die Frauengräber auf der südlichen Seite auf dem neuen, noch weitgehend unbelegten Begräbnisfeld C fortführte, wurden auf der nördlichen Seite der Männer die chronologische Beisetzung unterbrochen und zunächst die bestehenden Reihen um weitere Gräber ergänzt. Erst 1867 wurde auch hier eine neue Reihe angelegt, die Idee einer Ehrenreihe endgültig aufgegeben.

Die Gemeinde wuchs in diesen Jahren schnell und war Mitte der 1850er Jahre zeitweilig die größte jüdische Gemeinde Württembergs. Und so mußte der Friedhof schon 1877 ein weiteres Mal erweitert werden, wiederum Richtung Osten, diesmal um 1.170 Quadratmeter. Doch inzwischen hatte auch die Abwanderung begonnen, vornehmlich in die größeren Städte. Die Gemeinde Ulm, die seit Anfang des 19. Jahrhunderts vor allem durch den Zuzug Laupheimer Juden stark angewachsen war, konnte erst im Jahr 1852 einen eigenen Friedhof anlegen. Bis dahin nutzen sie den hiesigen Friedhof, wie sie auch bis 1845 den Gottesdienst in der Laupheimer Synagoge besuchten.

Auf dem Friedhofplan von 1865 läßt sich nahe des südlichen Eingangs deutlich ein kleines Feld erkennen, das durch kleinere Grabstellen Kindergräber zu markieren scheint. Heute ist dort nur noch ein Kinderstein aus dem Jahr 1862 erhalten. Jedoch war es nicht überall Sitte, Kindern vor Erreichen der Religionsmündigkeit, Mädchen mit 12, Jungen mit 13 Jahren, einen eigenen Grabstein zu setzen. Der älteste Kindergrabstein in Laupheim stammt aus dem Jahr 1831, doch noch lange sollten nicht alle Kinder einen eigenen Grabstein erhalten. In den 1850er und 1860er Jahren wurden Kinder auf freien Flächen des ältesten Friedhofsteils auf der Nordseite begraben. Die Erweiterung des Friedhofs im Jahr 1877 bot nun Raum für ein weiteres kleines Kinderfeld, südöstlich an die Frauenseite angrenzend. Die ältesten erhaltenen Kindergrabsteine dort stammen aus den 1880er Jahren. Doch auch weiterhin haben insbesondere Kleinkinder, Säuglinge und Totgeburten meist keinen eigenen Grabstein erhalten.

Das Sterberegister der jüdischen Gemeinde verzeichnet zwischen Juni 1833 und März 1940 insgesamt 1319 Verstorbene. Läßt man nun jene wenigen Verzeichneten außer Betracht, die nicht in Laupheim begraben liegen, sowie alle Kinder unter 12 Jahren ohne erhaltenen Grabstein, so kommt man auf 793 Verstorbene (diese Zahlen machen eindrücklich deutlich, wie hoch die Kindersterblichkeit gewesen ist).

Die jährliche Todesrate erreichte im Jahr 1863 mit 39 Sterbefällen ihren Höhepunkt, als allein zwölf Kinder einer Scharlachepidemie zum Opfer fielen. Aus dem selben Jahr haben sich 16 Grabmale erhalten. Eine der in diesem Jahr Verstorbenen wurde andernorts beigesetzt, weitere 22 waren Kinder bis sechs Jahre ohne (erhaltenen) Grabstein. Die Anzahl der erhaltenen Grabmale entspricht somit der zu erwartenden Anzahl von 16 verbliebenen Erwachsenen und Kindern über sechs Jahre mit eigenem Grabmal. Das gleiche gilt auch für alle folgenden Jahre bis 1940, dem Jahr, mit dem die Aufzeichnungen des Sterberegisters der jüdischen Gemeinde enden: Seit dem Jahr 1863 stimmt die Anzahl der im Sterberegister verzeichneten und in Laupheim begrabenen Erwachsenen und Jugendlichen mit der Anzahl der erhaltenen Grabmale überein.

Ein anderes Bild ergibt sich für die Jahre zwischen 1833 und 1862: Vergleicht man die Zahl der Verzeichneten in dieser Zeit mit den erhaltenen Grabmalen aus demselben Zeitraum und zieht die wenigen Grabmale für Verstorbene ab, die nicht im Sterberegister verzeichnet sind, so ergibt sich eine Differenz von nur 34 Verstorbenen, für die kein Grabmal erhalten ist. Von diesen Fehlenden fand Rabbiner Treitel in den 1920er Jahren noch sieben Grabmale vor, die inzwischen entweder verschwunden oder so verwittert sind, daß sie nicht mehr zugeordnet werden konnten. Von den verbleibenden 27 fehlenden waren vier Kinder im Alter zwischen 13 und 15 Jahren, die eventuell keinen eigenen Grabstein erhalten haben. Unter den verbliebenen 23 sind auffallend viele sehr alte Witwen und Witwer. Viele andere waren jungverstorbene Ledige, teilweise Ortsfremde, zur Ausbildung oder in Stellung in Laupheim. Auch von diesen mögen nicht alle ein eigenes Grabmal aus Stein erhalten haben. Insgesamt ergibt sich somit für diesen langen Zeitraum eine erstaunlich kleine Anzahl von inzwischen verschwundenen Grabmalen.

Die Anzahl der erhaltenen Grabmale pro Jahrzehnt war bisher kontinuierlich gestiegen und erreicht mit 108 Grabmalen in den 1880er Jahren ihren Höhepunkt. Zwar hatte die Gemeinde schon seit längerem einen Rückgang der Mitgliederzahlen zu verzeichnen, doch zogen vor allem junge Leute in die Städte oder wanderten nach Amerika aus, die Älteren blieben. Gleichzeitig war die Lebenserwartung durch Fortschritte in der Medizin deutlich angestiegen, so daß im Laufe der Zeit die Zahl der Älteren in der Gemeinde gegenüber den Jüngeren zugenommen haben wird. Dies erklärt, warum die Anzahl der Grabmale pro Jahrzehnt erst im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts wieder zu sinken beginnt, auf zunächst 85 Grabmale in den 1890ern auf schließlich 48 in den 1920er Jahren.

Den Anbruch des neuen Jahrhunderts kennzeichnet im Jahr 1900 der erste für ein Ehepaar errichtete Doppelstein auf der nördlichen Friedhofsseite. Solche Doppelgräber gab es bisher nur wenige. Die ältesten beiden stammen aus dem Jahr 1847, für Isak Nördlinger und seinen Sohn Baruch (N 2/3, Grabstein Nr. 0470) sowie seine beiden Töchter Judith und Karoline (S 3/7, Grabstein Nr. 0027), die innerhalb weniger Monate vom Nervenfieber hinweggerafft wurden. Drei weitere Doppelsteine wurden 1852, 1853 und 1887 für jungverstorbene Geschwister beziehungsweise Cousinen gesetzt. Nun finden sich zwar nach und nach immer mehr Doppelsteine für Ehepaare und seit Mitte der 20er Jahre auch Familiengräber, der Brauch, Männer und Frauen getrennt zu bestatten, ist jedoch bis zum Ende weitgehend beibehalten worden.

1907 wurde an der Stelle der alten Trauerhalle in der südwestlichen Friedhofsecke das heute noch stehende Friedhofswärter- und Leichenhaus errichtet. Heute ist es nach Umbauten leider nicht mehr als solches zu erkennen, doch die Konstruktionszeichnungen des Bauwerkmeisters Küchle geben einen Eindruck vom damaligen Aussehen des Gebäudes: Über wenige Stufen führte der Eingang in eine Vorhalle, daneben befanden sich die "Leichenzelle" mit dem Stein zur Waschung des Leichnams, angeschlossen daran ein kleiner Raum für den Friedhofswärter, der auch für die Totenwache diente. Im Obergeschoss standen der Beerdigungsbruderschaft mehrere Räume "zum Aufbewahren von Utensilien zur Krankenpflege und Leichenbestattung" zur Verfügung.

Ende der 1920er Jahren wurde der Friedhof ein letztes Mal nach Osten hin erweitert. Der in West-Ost-Richtung verlaufende Weg wurde fortgeführt und endet vor einem Halbrund aus Zierbäumen. Bisher waren alle Grabsteine nach Osten, in Richtung Jerusalem ausgerichtet, wie es auf vielen jüdischen Friedhöfen Brauch ist. Mit der Gestaltung des neues Friedhofsteils wurde nun entlang des den Friedhof kreuzenden Weges zwei Reihen mit auf den Weg gerichteten, größeren Grabstellen, meist Familiengräbern, angelegt. Die Grabmale der Reihe östlich des Weges weisen damit erstmals nach Westen. Vermutlich war geplant, auch den Rest des Friedhofgeländes entsprechend zu gestalten, denn auch die folgenden Reihe ist großzügiger angelegt.

An der Kreuzung mit dem in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Weg wurde am 24. Juni 1922 das Denkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges feierlich geweiht (9000). Das von Friedrich Adler im Art Déco gestaltete Denkmal trägt auf der Vorder- und Rückseite jeweils den großen Schriftzug "Unseren Söhnen 1914-1918", verbunden mit einem Davidstern. Eine Tafel auf der Vorderseite nennt die Namen von acht Gefallenen und Vermißten, auf der Rückseite war eine Gedenktafel angebracht, die nicht erhalten ist. Dr. Aron Tänzer, Bezirksrabbiner in Göppingen und während des Krieges Feldrabbiner, hielt damals die Trauerrede. Unter anderem hob er hervor:

Ein Ehrenzeugnis soll dies Denkmal sein und künden von deutschem Heldenmut und Opfersinn. Ein Ehrenzeugnis soll es ferner sein und künden von der Vaterlandstreue deutscher Soldaten jüdischen Glaubens, die ihrer Religion gemäss pflichttreu lebten, pflichttreu kämpften und pflichttreu starben und sich in Vaterlandsliebe verbunden fühlten mit allen ihren Mitbürgern. Eines nur ist dieses Denkmal hier von den vielen vielen Hunderten, wie sie die deutsche Judenschaft allenthalben für ihre 12 000 gefallenen jüdischen Soldaten errichtet hat. Keines von diesen will der Ruhmredigkeit dienen, alle aber sind und sollen sein ein Zeugnis der Vaterlandsliebe und Pflichttreue der deutschen Juden, alle sollen hier kündigen: Deutschlands Söhne jüdischen Glaubens starben gemeinsam mit allen anderen für das Vaterland und Deutschlands Söhne jüdischen Glaubens müssen leben mit allen anderen in gleichen Rechten und Pflichten im gemeinsamen Vaterlande.

Diese Einweihungsrede fand ein großes Publikum: Anwesend waren unter anderem der Krieger- und Veteranenverein, der Verein der Kriegsgeschädigten, Abordnungen des Bundes jüdischer Frontsoldaten aus Ulm und der Gruppe Laupheim, Oberamtmann Kindel, Oberpostmeister Keilbach sowie der Laupheimer Gemeinderat mit dem Stadtvorstand und allen anderen Beamten. Der Gesangsverein Frohsinn übernahm die musikalische Umrahmung der Feier. Kaum einer der damals Anwesenden aber wird geahnt haben, wie schnell diese Mahnung Tänzers eine ganz neue Bedeutung bekommen sollte, als nur ein Jahrzehnt später die Nationalsozialisten die Macht in Deutschland übernahmen.

1935 forderte der nationalsozialistische Terror ein erstes Opfer in Laupheim: Am 20. Dezember wurde Jakob Adler, ein Bruder Friedrich Adlers, zu Grabe getragen (N 28/3, Grabstein Nr. 0784). Das Sterberegister vermerkt als Todesursache lapidar "Vergiftung", täuscht damit über den eigentlichen Hintergrund hinweg: Verzweifelt über den Geschäftsrückgang seiner bisher so erfolgreichen Kolonialwarenhandlung hatte Adler Salzsäure getrunken. Schon seit April 1933 waren die jüdischen Geschäfte auch in Laupheim immer mehr boykottiert worden, immer häufiger kam es zu Übergriffen, wurden Schaufenster eingeschlagen und Läden geplündert.

In der Pogromnacht im November 1938 wurde die Laupheimer Synagoge zerstört, der Friedhof blieb zunächst unangetastet. Doch diese fürchterliche Zeit von Verfolgung und Mord hat auch hier deutliche Spuren hinterlassen. Viele der in den 1920er und Anfang der 30er Jahre errichtenen Doppelsteine für Ehepaare tragen nur eine Inschrift, der dem Partner zugedachte Raum blieb unbeschriftet. Viele sind deportiert und ermordet worden, einige hatten sich durch Flucht rechtzeitig dem Zugriff der Nationalsozialisten entziehen können. Insbesondere älteren Menschen war jedoch die Möglichkeit der rechtzeitigen Flucht aus Deutschland nicht gegeben. Ein kleiner schlichter Grabstein zeugt vom Schicksal der drei betagten Schwestern Kirschbaum. Sie wurden aus ihrem Heim auf dem Judenberg in eine Baracke der Wendelinkiesgrube zwangsausquartiert, wo sie im Februar 1941 im Abstand von jeweils einem Tag der Tod ereilte (S 29/1, Grabstein Nr. 0388).

Das Sterberegister der Gemeinde endet Anfang März 1940. Doch gerade Ende dieses Jahres beginnt die Zahl von Grabsteinen auf dem Friedhof wieder zu steigen. Elf Grabmale auf dem Friedhof tragen das Datum 1941, und allein aus dem Jahr 1942 finden sich 25 Grabmale auf dem Friedhof, die mit Abstand höchste Anzahl von Grabmalen in einem Jahr überhaupt. Diese Grabmale sind meist schlicht und einheitlich gestaltet und wurden alle erst nach Kriegsende errichtet. Sie wurden zumeist Menschen gesetzt, die nicht aus der Laupheimer jüdischen Gemeinde stammten. Zu ihnen gehörte auch die 1860 geborene Sophie Reinauer, die seit 1909 mit ihrer Schwester Philippine in Tübingen lebte. Am 26. März 1941 wurde sie in die Pflegeanstalt Heggbach bei Biberach eingeliefert, wo sie am 11. Januar 1942 starb (S 29/9, Grabstein Nr. 0396). Heggbach, ursprünglich eine Pflegeanstalt für geistig Behinderte, stand nach den Euthanasieaktionen der Nationalsozialisten weitgehend leer. Hier wurden von 1940 bis 1942 jüdische Pfleglinge aus ganz Württemberg untergebracht. Die in dieser Zeit Verstorbenen wurden auf dem Friedhof in Laupheim beigesetzt. Die anderen wurden 1941 und 1942 in Lager im Osten deportiert, so auch Sophies Schwester Philippine. Im März 1942 wurde im Schloß Dellmensingen ein Zwangsaltersheim eingerichtet, das für mehr als hundert württembergische Juden Durchgangsstation in die Deportation war. 18 der Insassen verstarben dort zwischen März und August 1942 und wurden ebenfalls in Laupheim beigesetzt.

Inzwischen war der Friedhof ins Blickfeld der nationalsozialistischen Verwaltung gerückt. Am 24. Dezember 1942 erließ das Württembergische Wirtschaftsministerium einen Runderlaß betreff der "Erfassung von Schrott und Metallen auf jüdischen Friedhöfen". Dies betraf auch den Laupheimer Friedhof: Die Gedenktafel am Gefallenendenkmal wurde gewaltsam entfernt, ebenso alle Grabeinfassungen aus Ziergittern und Kettengehängen, wie sie seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts üblich geworden waren. Überlegungen der Oberfinanzdirektion Stuttgart zur "Verwertung des Judenfriedhofs, der Leichenhalle und des Altersheims" aus dem Jahr 1943, die auch die Grabmale betroffen hätte, denn schließlich "handele (es) sich immerhin um wertvolle Steine, die entsprechend verwertet werden können", wurden zum Glück nicht ausgeführt.

Das letzte und schlimmste Kapitel des Friedhofs wurde vor Kriegsende im Januar 1945 geschrieben, als man 133 Juden aus dem Konzentrationslager Bergen-Belsen in ein ehemaliges Kriegsgefangenenlager, das sogenannte "Lager Lindele" in Biberach, brachte. Viele der völlig entkräfteten Menschen starben dort oder auf dem Weg dorthin, einige wurden in Laupheim beerdigt. Wenige Grabsteine künden davon, das Schicksal dieser Menschen bleibt jedoch weitgehend unbekannt. Die meisten tragen nun erstmals wieder längere hebräische Inschriften, nennen auf Deutsch nur Namen und Daten. Stellvertretend für all diese meist unbekannten Schicksale sei hier die schwere Lebensgeschichte von John Hasenberg erzählt. Sein schlichter Grabstein (N 29(8, Grabstein Nr. 0801) gibt dem des Hebräischen Unkundigen nur den Namen und das Sterbedatum an: der 23. Januar 1945. Die hebräische Inschrift jedoch nennt das Böse beim Namen:


Hier ist begraben
Jehuda Sohn des Jona Hakohen,
ein redlicher und geehrter Mann,
er war leiderfahren und litt Qualen
und starb unter Qualen auf dem Weg
zur Heiligung des (göttlichen) Namens
durch das Reich des Bösen,
Deutschland, mögen ihre Namen ausgelöscht werden.
Sei seine Seele eingebunden in das Bündel des Lebens

John Hasenberg wurde am 8. Oktober 1892 in Neumünster/Schleswig-Holstein als zweites von neun Kindern geboren. Im Ersten Weltkrieg diente er als Unter-Offizier an Ost- und Westfront und wurde mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse ausgezeichnet. Von Beruf war er Bankier, zunächst in Hamburg. 1927 heiratete er die Berlinerin Getrude Mayer und trat der Bankfirma seines Schwiegervaters Julius J. Mayer und Co als Partner bei. 1937 emigrierte John Hasenberg unter dem wachsenden Druck des Nazi-Regimes mit seiner Frau und seinen beiden Kindern nach Amsterdam. Dort fand er eine neue Stellung als Leiter der Effekten-Abteilung von American Express, bis diese 1941 geschlossen werden mußte.

Am 20. Juni 1943 wurde die Familie bei einer Massen-Razzia deportiert, erst ins Lager Westerbork in Holland, am 16. Februar 1944 ins Konzentrationslager Bergen-Belsen. Als die Schweiz im Januar 1945 den Nationalsozialisten 350 Häftlinge "abkaufte", war auch die Familie Hasenberg dabei. Diese erreicht am 25. Januar die Schweiz und wanderte ein Jahr später nach Amerika aus. Doch John Hasenberg erlebte die Freiheit nicht mehr. Völlig entkräftet starb er am 23. Januar auf der Zugfahrt über Biberach in die Schweiz und wurde am Bahnhof Biberach ausgeladen. Das gleiche Sterbedatum zeigt auch der nebenstehende Grabstein von Franz James Lassally, wahrscheinlich starb er auf demselben Transport (N 29/9, Grabstein Nr. 0802).

Am 23. April 1945 wurden die Menschen im Biberacher Lager von den Franzosen befreit und bezogen bis zu ihrer Genesung das nahegelegene Jordanbad. Zwei der dort an den Folgen von Misshandlung und Entbehrung in den Jahren 1946 und 1947 Gestorbenen wurden ebenfalls in Laupheim beigesetzt: Malka Liebermann (S 30/11, Grabstein Nr. 0416) und Leopold Caspary (N 30/1, Grabstein Nr. 0806).

Viele Grabmale auf dem Friedhof wurden nach Kriegsende um kleine Gedenktafeln ergänzt, die die Namen der ermordeten Verwandten nennen. Einzelne jüngere Grabmale drücken die besondere Verbundenheit der Familie Steiner mit ihrem Geburtsort aus: gestorben in Amerika, England und der Schweiz, ließen sie sich in Laupheim beisetzen.

1955 konnte die gestohlene Gedenktafel am Gefallenendenkmal durch eine Stiftung ehemaliger Laupheimer Juden erneuert werden. Sie trägt heute folgenden Text:


Eine früher an dieser
Stelle angebrachte
Gedenktafel wurde in
den Jahren 1933/1945
gewaltsam entfernt


Diese neue Tafel sei
dem Andenken an die
jüdischen Opfer jener
Schreckenszeit gewidmet


Friede walte künftig
über dieser Stätte!


Gestiftet im Jahre 1955
von früheren Angehörigen
der israelitischen
Gemeinde Laupheim

Heute ist der Friedhof der Israelitischen Kultusgemeinde Stuttgart unterstellt. Seit Jahren wird er von der Stadt Laupheim sorgsam gepflegt, viele alte Grabmale sind restauriert und erneuert worden. Die Fragmente wurden in den letzten Jahren gesammelt und in Betonplatten gegossen in den Nischen der Mauer aufgestellt, um ihre Erhaltung sicherzustellen.

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Die Gestaltung der Grabmäler

Die Grabsteine auf dem Laupheimer Friedhof machen auf sehr eindrückliche Weise deutlich, welchen Wandel die Gemeinde in den gut 200 Jahren ihres Bestehens durchmachte. Aus dem 18. Jahrhundert, als die Gemeinde sich langsam aus den ersten vier Familien entwickelte, die 1730 einen Schutzbrief erhalten hatten, sind nur noch wenige Grabmale erhalten. Diese mit Rundbogen schließenden, meist schmalhohen Stelen mit kunstvoller, rein hebräischer Kalligraphie muten uns heute als so "typisch jüdisch" an. Doch wie in den folgenden Jahrzehnten auch in Laupheim immer deutlicher wird, war es allgemein üblich, in der Grabmalkunst die Formen der Umgebung zu übernehmen. Bestimmend für die Gestaltung eines Grabmals war neben eventuellen finanziellen Überlegungen immer auch der jeweilige Geschmack der Zeit, wobei selbstredend rein christliche Formen, wie zum Beispiel das Kreuz, nicht berücksichtig wurden. Auch muß man bedenken, daß die Steinmetze so gut wie immer Christen waren und wahrscheinlich, insbesondere in kleinen Dörfern, nur ein begrenztes Sortiment im Angebot hatten. Allerdings sind erhaltene christliche Friedhöfe aus dem 18. Jahrhundert eine Ausnahme, meist sind diese seit langem aufgelassen; nur Grabmale von Adeligen und Geistlichen haben sich erhalten, die keine wirkliche Vergleichsmöglichkeit bieten.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts steigt die Zahl der erhaltenen Steine auf dem Laupheimer Friedhof stetig an, gleichzeitig verdeutlicht die lockere Abfolge der Grabmale, daß sich viele Steine auch aus dieser Zeit nicht erhalten haben. Dies mag neben der Zerstörung von Grabsteinen durch Verwitterung und vielleicht auch durch äußere Einflüsse hier daran liegen, daß nicht alle Grabmale aus Stein waren: In der Gräberliste ist für das Jahr 1822 ein "Holzgrabmal" verzeichnet, mehrere heute noch zu findende, kreisrunde Löcher unter der Grasnarbe deuten darauf hin, daß es noch weitere gegeben haben könnte. Die oben angesprochenen finanziellen Überlegungen bei der Erstellung eines Grabmals dürften für solche Holzgrabmäler den Ausschlag gegeben haben.

Die Gestaltung der Stelen in dieser Zeit zeigt eine große Variationsbreite, und es lassen sich die ersten Beispiele finden, die vom bürgerlichen, für die Umgebung offenen Selbstverständnis der Gemeinde zeugen. Das Jahr 1828, in dem in Württemberg das "Gesetz in Betreff der öffentlichen Verhältnisse der israelitischen Glaubensgenossen" erste konkrete Hoffnung auf eine bürgerliche Gleichstellung der Juden weckte, kennzeichnet auf dem Friedhof ein Grabstein, der im Giebel ein Symbol der Aufklärung zeigt: ein Auge, eingeschlossen in ein Dreieck und umgeben von Strahlen.

Zunehmender Wohlstand und das rapide Anwachsen der Gemeinde zu der zwischenzeitlich größten in Württemberg schlagen sich seit Mitte des Jahrhunderts in immer aufwendiger gestalteten und verzierten Denkmälern nieder. Erst Ende des Jahrhunderts begann man, wieder auf schlichtere Formen zurückzugreifen, gleichzeitig beginnt auch, als Spätfolge der hohen Abwanderung in die größeren Städte und nach Amerika, die Anzahl der Grabsteine pro Jahr wieder zu sinken. Neben die bisher üblichen Sandsteinstelen gesellen sich nun auch Obelisken aus polierten Hartsteinen, der erste Doppelstein für ein Ehepaar von 1900 markiert den Beginn des neuen Jahrhunderts auf dem bis dahin streng nach Geschlechtern getrennten Grabfeldern.

In den 1920er Jahren setzt sich schließlich auch in Laupheim ein Trend durch, der allgemein in der jüdischen Gesellschaft verstärkt diskutiert worden war: Wachsende Kritik an der sich auch auf jüdischen Friedhöfen ausbreitenden Monumentalität und Prunksucht in der Grabmalkunst und der im letzten halben Jahrhundert vorherrschenden gedankenlosen Übernahme christlicher wie antiker Symbolik und Ornamentik führten zu einer Rückbesinnung auf die alten traditionellen Grabsteinformen.

August Schenzinger, der in seiner Geschichte Laupheims die jüdische Gemeinde insgesamt äußerst wohlwollend skizziert, beklagte schon 1897 bei seiner Beschreibung des Friedhofs die ausufernde Prunksucht in der Gestaltung der Grabmäler: Bei Betreten des Friedhofes muß vor allem der ungeheure Unterschied der Grabmäler aus den ersten Zeiten des Bestandes und der Jetztzeit frappierend auffallen. Formlos und klein mit wenigen hebräischen buchstaben sind die Gedenksteine der zuerst Gestorbenen. Mit jedem Jahrzehnt aber schwellen sie nach Höhe und Umfang mehr und mehr an. Der gewöhnliche Stein muß den feinsten Materialen nach und nach weichen, und gewaltige Marmorblöcke, bald in glänzendem Weiß, bald tief schwarz, decken die Gräber, rechts die der Frauen, links die der Männer. Heute aber gleichen diese Leichensteine einem gewaltigen Säulenwalde, welcher den Dahinwandelnden erdrücken zu wollen scheint. Diese Pracht mit den großen vergoldeten Inschriften frappiert den Beschauer nicht nur in Hinblick auf die Stätte, wo die Verwesung herrscht und die Vergänglichkeit alles Irdischen so gar ernst gepredigt wird, sondern mehr noch mit Rücksicht auf die lobwürdige Einfachheit des Sarges, welcher aus 6 rohen Brettern bestehend, die Leiche aufgenommen hat. Nicht allein das Anschwellen der Wohlhabenheit scheint in dieser Art von Leichensteinen zum Ausdruck zu kommen, sondern der Luxus will hier sich breit machen, im Gegensatze zu der Demut und Feinfühligkeit der früheren Tage, wo der Glaube und die Frömmigkeit die schönsten Gedenkzeichen für die lieben Hingeschiedenen waren. (S. 227f.)

Nun tauchen wieder vermehrt schlichte schmalhohe Stelen mit Rundbogenabschluß oder Dreiecksgiebel auf, deren vorherrschendes Gestaltungsmerkmal einmal wieder die Kalligraphie wird. Inzwischen hat sich jedoch das Deutsch als Inschriftensprache allgemein durchgesetzt und wird meist nur noch von einzelnen hebräischen Elementen begleitet. Dafür tritt nun der Davidstern, der inzwischen zum allgemeinen jüdischen Symbol geworden ist, verstärkt in Erscheinung.

Kurz darauf jedoch wird auch der Entwicklung jüdischer Grabmalkunst durch die Machtergreifung der Nationalsozialisten ein gewaltsames Ende gesetzt.

Aus dem 18. Jahrhundert sind insgesamt zehn Grabsteine aus den Jahren zwischen 1761 und 1796 erhalten. Von diesen wurde der Grabstein für Leopold Einstein (S-7/4, Grabstein Nr. 0451) aus dem Jahr 1796 fast hundert Jahre nach seiner Aufstellung von den Nachkommen erneuert, und auch der Grabstein für Schmuel S. Naftali KaZ von 1764 stammt auf Grund seiner Gestaltung und seines Erhaltungszustands sicher aus einer jüngeren Zeit (N –9/2, Grabstein Nr. 0860). Die Datierung eines weiteren Grabsteins (N-11/2, Grabstein Nr. 0865) ist sehr unsicher.

Die verbleibenden sieben Grabsteine sind schlichte, ungesockelte Stelen unterschiedlicher Breite und Höhe. Ein Grabstein wurde aus dem schwer zu bearbeitenden, aber sehr widerstandsfähigen Muschelkalk gefertigt, die anderen sind aus weicherem, empfindlicherem Sandstein und zeigen entsprechend unterschiedlich starke Verwitterungsspuren. Kein Stein gleicht dem anderen, doch ausnahmslos alle schließen sie mit einem teils leicht geschweiften Rundbogen, drei Steine betonen das Schriftfeld durch einen leicht vorstehenden, scharrierten Rahmen.

Das vornehmliche Gestaltungselement dieser alten Steine ist die Kalligraphie. Sorgfältig gearbeitete hebräische Buchstaben füllen oft die gesamte Fläche des Steins, die breiten betonten Querstriche der Buchstaben, die feinen, teils durch Punkte und Rauten verzierten Längsstriche weben ein Muster gleichzeitig ausgewogener und expressiver Wirkung.

Schmuckelemente sind um diese Zeit noch spärlich. Optische Akzente setzen die sehr vielfältig gestalteten Abkürzungszeichen in Form von Haken und Punkten, Strichen und Kreuzen sowie stilisierten floralen Ornamenten. Den besonders sorgfältig gearbeiteten ältesten erhaltenen Grabstein von 1761 ziert im Giebel ein aufrechter plastischer Löwe, der heute leider stark verwittert ist. Ein Stein setzt die abgekürzte Einleitungsformel in eine, von einer Krone gekrönten Kartusche, ein weiterer läßt den Rundbogen in ein das Schriftfeld betonendes florales Ornament auslaufen.

Diese alten Grabstelen bestechen gleichzeitig durch ihre Schlichtheit wie durch die Expressivität der Kalligraphie, ebenso die zwölf Grabsteine des folgenden Jahrzehnts (von denen wiederum drei in jüngerer Zeit erneuert wurden). Die Abschlüsse werden nun variierter. Zu den unterschiedlich hohen geschweiften Rundbögen treten nun leicht eingezogene Bögen, durch einen breiten Querbalken hervorgehoben und abgesetzt. Drei Stelen schließen mit einem Flachbogen, ein Grabstein trägt einen geschweiften Knickgiebel, eine Form, die in den folgenden Jahren immer beliebter werden sollte. Die meisten Schriftfelder sind vertieft, die Rahmen teils scharriert.

Vornehmliches Gestaltungselement bleibt die Kalligraphie, doch wird auch dieses Mittel zunehmend variierter verwendet: Größere, verzierte Buchstaben heben ein Akrostichon hervor, eine Kopfzeile folgt in ihrem Verlauf dem abschließenden Rundbogen des Steins. Zu den bisher stark abstrahierten und stilisierten floralen Ornamenten tritt nun ein Rosenstrauß in ovalem Medaillon auf dem Grabstein einer Frau.

Diese Entwicklung setzt sich auch im folgenden Jahrzehnt fort, doch wird die Bearbeitung der Steine nun noch sorgfältiger, die Schriftflächen werden glatter, die Rahmen treten noch stärker hervor. Vielfältig geschweifte Rund- und Knickbögen bestimmen noch immer das Bild, daneben tritt der erste Grabstein mit eingezogenem und durch ein Gesims abgesetzten Dreiecksgiebel, auf der abgeflachten Spitze von einer Krone in Vollplastik gekrönt, das von einer Girlande gerahmte Schriftfeld hervortretend.

Die kunstvoll gearbeiteten Buchstaben füllen noch immer das ganze Schriftfeld, doch werden sie nun zum Teil kleiner, die Texte länger. Einige der Steine zeigen besonders verzierte Buchstaben, der lange Arm des Buchstaben lamed endet oft in einem Blätterzweig. Abkürzungszeichen und Satztrenner sind vielfältig variiert, Punkte und Striche stehen neben gewellten Linien und floralen Ornamenten in Blüten- und Zweigform. Die jüdischen Symbole auf den Steinen werden vielfältiger und sind stark plastisch herausgearbeitet, bis hin zur Vollplastik. Auch die Ornamentik wird differenzierter: Wunderschöne, phantasievolle reliefierte Blumensträuße zieren diesmal die Grabsteine von drei Männern, Girlanden aus Troddeln hängen ins Schriftfeld, reliefierte sechs- und achtzackige Sterne verzieren es.

Die Grabsteine des folgenden Jahrzehnt, 1820-1829, sind in ihrer Verzierung wieder etwas schlichter, doch nicht weniger schön, sorgfältig und einfallsreich gestaltet: Von den 16 erhaltenen Grabsteinen aus dieser Zeit (darunter wieder ein erneuerter) finden sich keine zwei identischen. Die Rundbögen sind teils eingezogen und durch breite Gesimse abgesetzt und tragen die Einleitungsformel, eine dem Bogenverlauf folgende Kopfzeile oder ein Symbol. Die geschweiften Rund- und Knickbögen sind teils sehr flach, teils aber auch deutlich überhöht. Neben einem weiteren Grabstein, dessen abgeflachter Dreiecksgiebel von einer vollplastischen Krone gekrönt wird, zeigt ein Stein einen flachen, pyramidenförmigen Abschluß, das vertiefte Schriftfeld schließt rundförmig und hat einen doppelten, gekehlten Rand. Einzigartig und besonders auffällig in seiner Gestaltung ist ein Stein mit einem eingezogenen und abgesetzten, hohen Dreiecksgiebel, dessen abgeflachte Spitze von einer Pyramide abgeschlossen wird. Drei Steine zeigen hervortretende oder aufgesetzte Schriftplatten, einmal in Form eines Ovals, alle anderen haben unterschiedlich stark vertiefte Schriftfelder, viele der Rahmen sind scharriert.

Neben die plastisch gestaltete oder reliefierte Symbolik, mal aufgesetzt, mal in vertiefter Kartusche, tritt nun auch eine eingravierte Levitenkanne. Die Ornamentik zeigt sich dagegen deutlich reduzierter, Blumensträuße sind wieder verschwunden, florale Motive zeigen sich fast ausschließlich bei Gestaltung der Abkürzungszeichen und Buchstaben. Diese sind unterschiedlich sorgfältig gearbeitet, größere Buchstaben geben wiederum Akrosticha an, kleinere nutzen den zur Verfügung stehenden Raum, viele sind kunstvoll verziert.

Auch aus den 1830er Jahren sind einige Grabsteine erneuert worden. Doch auch die sicher aus dieser Zeit stammenden Grabsteine geben ein deutliches Bild. Die Abschlüsse der Grabsteine werden nun abwechslungsreicher, neben weiterhin vielfältig variierte Rundbögenabschlüsse treten verstärkt Dreiecksgiebel. Die Giebel werden häufig durch Gesims abgesetzt, mit Perl- oder Eierstäben und floralen Motiven geschmückt. Zwei Grabsteine ziert wieder ein reliefierter Blumenstrauß, andere zeigen neben jüdischer Symbolik auch eingravierte oder reliefierte Blüten und Zweige. In der zweiten Hälfte dieses Jahrzehnts werden Stelen besonders beliebt, die einen vor Rundbogen gesetzten Dreiecksgiebel mit Eckakroterien tragen und von einer Amphore gekrönt werden. Das hervortretende Schriftfeld nimmt die Form eines Wappens an, den Giebel ziert ein eingravierter Stern. Erste Steine sind nun auch gesockelt.

Mit der Übernahme dieser neuen Formen und Schmuckelemente wird die Verzierung der Schrift nach und nach schlichter, Abkürzungszeichen und Satztrenner werden weniger abwechslungsreich. Die schrittweise Emanzipierung und Integrierung der Juden in die sie umgebende Gesellschaft hinterläßt die ersten deutlichen Spuren der Einflüsse des Zeitgeschmacks auch in der Gestaltung der Grabdenkmale.

Die Entwicklung setzt sich im folgenden Jahrzehnt, den 1840er Jahren, verstärkt fort. Die traditionellen Rundbögen finden sich weiterhin, doch selten überhöht oder geschweift, Flachbogenabschlüsse werden häufiger. Immer mehr Grabsteine tragen Dreiecksgiebel mit Akroterien oder pyramidenförmige Abschlüsse. Einzelne Schriftfelder sind immer noch mit Eierstäben geziert, doch vereinzelt tauchen bereits die ersten Pilaster und vorgesetztes Maßwerk auf. Dagegen finden sich die bisherigen Symbole und Schmuckelemente, vor allem die floralen Motive, in diesem Jahrzehnt überhaupt nicht.

Die Buchstaben werden teilweise kleiner und flacher eingraviert, die ersten kurzen deutschen Inschriften erscheinen auf den Rückseiten der Grabsteine.

In den 1850er Jahren werden die Einflüsse der Umgebung beziehungsweise des Zeitgeschmacks stärker. Grabsteine mit traditionellen Rundbogenabschlüssen finden sich noch immer, werden aber kleiner und haben meist ein stark vertieftes Schriftfeld. Geschweifte und durch Gesims abgesetzte Rundbögen verschwinden nach und nach, daneben treten neue Formen wie Spitzbögen und Segmentgiebel. Sehr flache Dreiecksgiebel stehen neben stark überhöhten, teilweise abgeflachte pyramidenförmige Abschlüsse werden häufiger. Insgesamt werden die Abschlüsse immer aufwendiger dekoriert, zu antikisierenden Eck- und Giebelakroterien gesellen sich Voluten. Romanische Rundbogenfriese wechseln ab mit unterschiedlich aufwendig gestaltetem gotischen Maßwerk und Vierpaß-Rosetten. Die meisten Schriftfelder sind vertieft, oft mit gekehltem Rand und manchmal flankiert von Pilastern mit schlichten oder verzierten Kapitellen. Fast alle Grabsteine stehen inzwischen auf zum Teil mehrfach abgesetzten Sockeln.

Neben jüdischer findet sich nun auch immer mehr nichtjüdische Symbolik, wie Mohnkapseln, verlöschende Fackeln, stilisierte Ewigkeitsschlangen und ineinandergelegte Hände. Schere und Garnrolle deuten auf den Beruf der Putzmacherin.

Die hebräischen Schriftzeichen werden immer kleiner und feiner eingraviert, deutsche Inschriften treten unter den hebräischen Text, beschränken sich jedoch meist noch immer auf Namen und Daten, Blockschrift wechselt ab mit Fraktur und Kursive.

In den 1860er Jahren nimmt mit steigender Anzahl von Grabsteinen pro Jahr auch die Gestaltungsvielfalt weiter zu, gleichzeitig finden sich aber auch zunehmend mehr oder weniger identisch gestaltete Steine.

Besonders beliebt waren hohe Stelen mit überhöhtem Dreiecksgiebel und spitzgieblig abschließendem vertieften Schriftfeld, das von üppigen Ranken geschmückt ist. Grabsteine mit Rundbogenabschluß finden sich weiterhin, teils in Anlehnung an die alten Formen mit glattem Schriftfeld und scharriertem Rand, teils aber auch mit stark vertieften Schriftfeldern, die von Girlanden tragenden, vorgesetzten Säulen mit verzierten Kapitellen flankiert werden. In der zweiten Hälfte des Jahrzehnts wird der Rundbogen gerne durch Eckakroterien ergänzt, der Giebel mit einem Kranz und floraler Ornamentik geschmückt. Daneben nimmt gotisches Maßwerk weiter zu und wird immer verspielter, manchmal kombiniert mit Zahnfriesen, neben Vierpaß-Rosetten treten auch Drei- und Fünfpäße.

Waren bisher alle Grabstein im weitesten Sinne Stelen unterschiedlicher Höhe, Breite und Tiefe, so findet sich gegen Ende des Jahrzehnts der erste runde, turmförmige Grabstein, mit einer umlaufenden Eichenlaubgirlande geschmückt, der spitz zulaufende Giebel mit Wasserlaub-Kyma-Fries, Rundbogenfries und sechszackigen Sternen verziert.

Diese aufwendige Gestaltung hat allerdings die im Jahrzehnt zuvor zu findende, erste nichtjüdische Symbolik wieder verdrängt, neben wenigen jüdischen Symbolen findet sich nur Ornamentik in Blüten- und Sternform.

Die hebräischen Buchstaben sind nun durchweg sehr klein und fein, die hebräischen Inschriften aufwendig und lang. Auf den Rückseiten finden sich teilweise sehr lange, gereimte Gedichte, in feiner Kursive eingraviert, ein kleiner Kindergrabstein aus dem Jahr 1865 trägt die erste rein deutsche Inschrift auf der Vorderseite.

In den 1870er Jahren bleibt diese gestalterische Vielfalt erhalten, neue Formen treten dazu. In den ersten zwei Jahren dieses Jahrzehnts erfreut sich eine Stele besonderer Beliebtheit, deren Form erstmals 1869 erscheint: Sie ist gekrönt von einem eingezogenen, überragenden Dreiecksgiebel, darunter im Giebelfeld ein geschlungenes Spruchband mit der Aufschrift "Wiedersehen - unser Trost". Die oberen Ecken schmückt jeweils ein Vierblatt, das Schriftfeld ist schmal und deutlich eingetieft. Eine weitere Form, die zuvor schon in schlichter Ausführung auftauchte, nun aber in ausgestalteter Form besonders oft erscheint, ist eine schmale hohe Stele, deren Giebel abgesetzt und deutlich hoch gezogen ist. Er schließt entweder mit einem spitzen, an der Seite mit einem flachen Dach, oder ist gerade und oben wie an den seitlichen Ecken mit Zinnen verziert. Amphoren oder Urnen als Seelengefäße, die einstmals die Zinnen krönten, sind heute nur noch bei einem Stein erhalten. Das Schriftfeld ist von Maßwerk gerahmt, das in den oberen Ecken und im Giebel in mehr oder weniger stilisierte Ranken ausläuft. Den Sockel unter dem Schriftfeld ziert eine Reihe Vierblätter oder ein Maßwerkfries. Diese Grabsteinform wird weitergeführt und variiert in einem etwas breiteren Stein, vor dessen hochgezogenen, gerade abschließenden Giebel ein mit Voluten gezierter, weit überhöhter Dreiecksgiebel vorgesetzt ist, der auf einem mit Maßwerk geschmückten Rundbogen sitzt. Den seitlichen Ecken sind kleine Türmchen mit Zinnen aufgesetzt, die von kurzen Säulen mit verzierten Kapitellen getragen werden.

In der zweiten Hälfte des Jahrzehnts wird mit einem mit Rundbogen abschließenden Stein an die alten Formen angeknüpft, diesmal jedoch ist der Rundbogen leicht vorkragend und geschmückt mit Eck- und Giebelakroterien. Zwei deutlich vertiefte Schriftfelder, das obere im Giebelfeld und dem Bogenverlauf folgend mit Rundbogen schließend, das untere mit geradem Abschluß, sind von einem Diamantfries gerahmt, das untere flankiert von Säulen. Neben weitere, relativ breite Türme und erstmals auch gebrochene Säulen als Symbol für ein zu früh beendetes Leben tritt eine Reihe hoher schlanker Türme, von Zinnen gekrönt und mit Maßwerk geschmückt, die Inschriften sind auf den Sockel verdrängt.

Noch nehmen die hebräischen Inschriften einen breiten Raum ein, doch nach und nach mehren sich nun die deutschen Inschriften auch auf den Vorderseiten der Grabsteine, unter dem hebräischen Text. Einige der hebräischen Inschriften sind mit Blattgold ausgelegt, Reste schwarzer Farbe in deutschen und hebräischen Buchstaben könnten jedoch auch aus jüngerer Zeit stammen. Die Ornamentik ist üppig, Maßwerk, Akroterien und überschwengliche Voluten neben schlichten Blüten und Sternen. Nichtjüdische Symbolik bleibt dagegen selten, neu ist nur eine gebrochene Rose. Seit den 1870er Jahren haben auch die meisten Grabstellen Grabumfassungen.

In den 1880er Jahren erfreuen sich die vorgestellten Formen weiterhin großer Beliebtheit, neue treten hinzu. Grabsteine mit Rundbogenabschluß und Akroterien werden vielfach variiert, die Schriftfelder weiterhin mit Diamantfries geschmückt oder von Maßwerk umgeben. Bei schlichteren Formen werden die Bögen flacher, die Akroterien fallen teilweise weg, der Giebel trägt nun ein Symbol oder Ornament anstelle einer zweiten Schrifttafel mit der Einleitungsformel. Häufiger finden sich nun auch hohe Stelen, die mit Dreiecksgiebel schließen, gekrönt von Akroterien, im Giebelfeld gekreuzte Palmwedel oder Mohnkapseln über einem Zahnfries. Die gestuften Sockel zieren Kränze, umgeben von floralen Ornamenten, in die vertieften Schriftfelder sind immer häufiger weiße Marmortafeln eingesetzt. Die im letzten Jahrzehnt so beliebte, mit hochgezogenem Giebel und Zinnen gekrönte Variante findet sich letztmals 1885 in stark übersteigerter Form. Im selben Jahr erscheint zum ersten Mal ein hoher, sich nach oben verjüngender und pyramidenförmig schließender Obelisk auf hohem gestuften Sockel, eine Form, die, vorzugsweise aus schwarzem polierten Diorit, die nächsten Jahre bestimmend bleiben sollte. Neu sind in der zweiten Hälfte der 1880er Jahre auch schlichte hohe, sich nach oben verjüngende Stelen mit flachem Dreiecksgiebel, oft mit stark reliefierten, gekreuzten Palm- und Lorbeerzweigen geschmückt. Verschwunden sind dagegen wieder Grabmale in Form von verschiedenen Türmen, abgebrochene Säulen finden sich jedoch weiter vereinzelt. Dazu treten nun kleine Grabmale in Form einer Schriftrolle mit aufgesetzter Schrifttafel, einmal auch die Form eines aufgeschlagenen Buches. Neben den immer höher und schlanker werdenden Obelisken finden sich auch kleine Würfel mit breitem, abgeflachten Dach, darauf Voluten, die vielleicht auch eine stilisierte Harfe darstellen könnten.

Wie sich gezeigt hat, wird neben der Ornamentik nun auch die Symbolik wieder vielfältiger. Kränze im Giebel oder auf dem Sockel sind häufig, dazu kommen gekreuzte Palm- und Lorbeerzweige, Muscheln, Mohnkapseln und -blüten, wieder eine geknickte Rose. Jüdische Symbolik findet sich dagegen nur noch vereinzelt in Form von Levitenkannen, einmal ein Mohelmesser mit Buch und Kelchen, einmal auch die seltenen Bundestafeln.

Die hebräischen Inschriften nehmen meist immer noch den größten Raum auf der Vorderseite des Grabsteines ein, manchmal tritt die deutsche Inschrift aber auch gleichwertig daneben, und insbesondere bei den neuen modernen Obelisken beginnt sie, das Hebräische zu verdrängen. Die Buchstaben sind teilweise mit Blattgold ausgelegt, vereinzelt finden sich nun auch Inschriften mit hervorstehenden statt eingravierten Lettern.

Zu Beginn der 1890er Jahre verringert sich die Formenvielfalt deutlich. Relativ schlichte, sich teilweise nach oben verjüngende Stelen mit flachem Dreiecksgiebel bestimmen das Bild, meist mit flachem Schriftfeld, manchmal gerahmt von einer schmalen Linie, nie jedoch vertieft. Daneben erfreuen sich weiterhin Grabsteine mit eingezogenem Rundbogen und Akroterien großer Beliebtheit, und ebenso Steine mit Dreiecksgiebel und Eckakroterien. Auch gebrochene Säulen und Grabsteine in Form einer Schriftrolle finden sich weiterhin. In der zweiten Hälfte des Jahrzehnts überwiegen jedoch deutlich die hohen Obelisken aus schwarzem poliertem Hartstein. Neu sind meist relativ kleine Denkmale aus Kunststein, meist mit Scheinmauerwerk, und eingesetzter weißer Marmor- oder Glastafel. Die anderen Grabsteinformen verschwinden nun nach und nach, nur die schlichten Steine mit einfachem Rundbogenabschluß sind durch die ganzen bisherigen hundert Jahre und auch weiterhin zu finden.

Viele Giebel sind mit Palm- und Lorbeerzweigen, Kränzen und Sträußen geschmückt, dazu kommen Mohnkapseln, stilisierte Blüten und Rosen, Girlanden und Sterne, einmal noch ein Spruchband und ein bekränztes Seelengefäß. Als jüdisches Symbol findet sich dagegen nur noch eine einzelne, dafür aber besonders schön gestaltete Levitenkanne, aus weißem Marmor in ovalem Medaillon.

Immer häufiger tragen die Grabsteine nun eingesetzte Marmortafeln als Schriftfeld, und auch vorstehende Buchstaben sind nicht mehr ganz so selten. Neu sind nun vereinzelte Grabplatten über den Gräbern.

Die im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts deutlich gewordene Entwicklung der Reduzierung auf wenige Grabsteintypen nimmt auch im neuen Jahrhundert seinen Fortgang. Obelisken und sich nach oben verjüngende Stelen mit Dreiecksgiebel oder pyramidenförmigem Abschluß herrschen deutlich vor, die Zahl der Grabsteine aus teilweise mit Scheinmauerwerk versehenem Kunststein und eingesetzten Schrifttafeln nimmt zu, manche mit Amphoren gekrönt. Gebrochene Säulen sind weiterhin zu finden, ebenso einige traditionelle Stelen mit einfachem Rundbogenabschluß. Dagegen ist die Anzahl von mit Eckakroterien versehenen Rundbogen- und Dreiecksabschlüssen deutlich zurückgegangen. Viele Grabsteine tragen nun eingesetzte Schrifttafeln, neben weißen Marmor ist schwarzes Glas und Metall getreten.

Jüdische Symbolik bleibt selten und auch nichtjüdische Symbolik bleibt stark reduziert, es finden sich jedoch einige neue Elemente: Ein Grabstein ist in Form einer stilisierten Sanduhr gestaltet, zwei Grabsteine sind mit Blumenkübeln versehen, und auf einem Grabstein ist eine trauernde Frau in Relief abgebildet. Daneben nimmt die Zahl der Amphoren und Seelengefäße zu, vereinzelt finden sich weiterhin Mohnblüten und -kapseln, gekreuzte Palmwedel und Lorbeerzweige sowie Kränze und geknickte Rosen.

Die überschwenglichen Verzierungen des vergangenen Jahrhunderts haben klaren Linien und einfachen Formen Platz gemacht. An die Stelle von Akroterien, Voluten und Maßwerk treten nun flach eingravierte stilisierte florale Ornamente, feine Linien nehmen die Form des Grabsteins auf, Ranken, Blätter und Blüten umrahmen das Schriftfeld, die ersten Einflüsse des Jugendstils werden spürbar. Daneben wird die Kalligraphie wieder zu einem vorherrschenden Gestaltungsmerkmal der schlichten Stelen und Obelisken. Zum Hebräischen ist jedoch inzwischen gleichwertig, teilweise auch vorherrschend oder ausschließlich, das Deutsche getreten. Die Schrifttypen werden vielfältiger, die Größe der Buchstaben wird bewußt zur Gestaltung eingesetzt, vermehrt finden sich hervortretende Buchstaben im hebräischen und deutschen Text, und auch Zeilen in Rundbogenform, diesmal jedoch unabhängig von der Form des Giebels.

Inzwischen ist mit der starken Abwanderung aus der Laupheimer Gemeinde auch die Anzahl von Grabsteinen pro Jahr deutlich zurückgegangen. In den Jahren 1910-1919, dem Jahrzehnt des Ersten Weltkriegs, bleibt man bei den vorherrschenden Grabsteintypen des vorangegangenen Jahrzehnts, Formen des 19. Jahrhunderts sind selten und inzwischen schon klassisch geworden. Gleichzeitig werden die traditionellen Formen neu variiert: Eine Stele mit Rundbogenabschluß zeigt einen wieder scharrierten, aber sehr viel breiteren Rand, der die Form des ebenfalls rundbogig schließenden, doppel vertieften Schriftfeldes betont. Andere Stelen mit Rundbogen oder Dreiecksgiebel werden von seitlich zurückgesetzten Pilastern flankiert, die ebenfalls die traditionelle Form hervorheben. In der Mitte des Jahrzehnts finden sich wieder kleine, sehr flachbogig abschließende Stelen.

Nichtjüdische Symbolik und Ornamentik bleibt weiterhin sehr reduziert, die jüdische Symbolik beschränkt sich auf den bald zu dem jüdischen Symbol überhaupt werdenden Davidstern.

Bei den Inschriften herrscht das Deutsche nun deutlich vor, doch auch diese Texte sind in den letzten Jahrzehnten immer kürzer geworden und beschränken sich bald wieder nur auf Namen und Daten. Für den Höhepunkt dieser Entwicklung steht ein Grabstein aus dem Jahr 1912, der die traditionelle Form mit geschweiftem Rundbogenabschluß wieder aufgreift, im Giebel mit einer stilisierten, fünfblättrigen Blüte in rundem Medaillon: Seine Inschrift ist auf die schlichte deutsche Wiedergabe nur des Namens des Verstorbenen in gerade abschließendem, mehrfach vertieften Schriftfeld beschränkt, sogar auf die Daten wird verzichtet.

Während sich zu Beginn der 1920er Jahre neben Kunststeinen mit eingesetzter Schriftplatte, Obelisken und Stelen mit pyramidenförmigen Abschluß noch vereinzelt die Ende des 19. Jahrhunderts beliebten Grabsteinformen finden, zeichnet sich in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts erstmals seit langem wieder eine Zunahme der Formenvielfalt ab, die mit einer Rückbesinnung auf die alten, als so typisch jüdisch empfundenen Formen einhergeht. Vor allem die traditionellen Abschlüsse, Rundbogen, Knickbogen und Dreiecksgiebel sind häufig vertreten, einfach, geschweift oder eingezogen, auch mehrfach getreppt, mal mit Rand, mal ohne. Die schmalhohen Stelen sind gerade oder verjüngen sich nach oben, erstmals aber auch nach unten. Waren in der ersten Hälfte des Jahrzehnts klassizistische, immer höher und breiter werdende Ädikula beliebt, teilweise mit Blumengefäßen versehen und immer häufiger für Ehepartner errichtet, so werden diese in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts von erstmals breitrechteckigen, schlichten Stelen ersetzt, deren vornehmliches Schmuckelement die ausgeprägte - fast ausschließlich deutsche - Kalligraphie ist. Grabsteine aus Kunststein mit eingesetzten Schriftplatten halten sich weiterhin, Obelisken und pyramidenförmig abschließende Grabsteine sind dagegen fast wieder verschwunden.

Auch die Symbolik und Ornamentik wird immer weniger. Zu Beginn des Jahrzehnts finden sich noch plastische Blumentöpfe, Girlanden und Kränze neben Davidsternen, danach ist der auffälligste Schmuck ein reliefierter Blumenstrauß, angelehnt an die Ornamentik der traditionellen Stelen der 1830er Jahre.

Hervorstehende Buchstaben werden wieder seltener, ebenso beschränken sich eingesetzte Schriftplatten fast ausschließlich auf die Kunststeine. Bei den Inschriften herrscht das Deutsche weiterhin vor, daneben finden sich aber auch wieder traditionell gestaltete Stelen mit längeren hebräischen Eulogien und sehr kurzen deutschen Texten.

Die Entwicklung der 1920er Jahre läßt sich in den ersten Jahren des neuen Jahrzehnts weiter verfolgen, doch werden die Formen bereits zu Anfang der 1930er Jahre wieder schlichter. Weiterhin und bis zuletzt finden sich Kunststeine mit eingesetzten Schriftplatten. Stelen mit traditionellen Abschlüssen weisen immer häufiger einen scharrierten Rahmen als einzigstes Schmuckelement auf. Neu sind schlichte Stelen aus poliertem Hartstein mit gezähnten Rändern. Die Zahl der breitrechteckigen Doppelstelen nimmt weiter zu, und hier lassen sich die ersten Hinweise auf das abrupte Ende der jüdischen Gemeinde Laupheim durch die nationalsozialistische Gewaltherrschaft finden: Viele der für Ehepartner errichteten Doppelstelen weisen nur eine Inschrift auf, der dem Ehepartner zugedachte Raum blieb unbeschriftet. Deutlicher werden die Zeichen Mitte der dreißiger Jahre. Die wenigen verbliebenen Grabsteine werden kleiner und schlichter. Viele Grabsteine sind nach Ende der Nazizeit von Überlebenden durch kleine, meist liegende Tafeln ergänzt worden, die die Namen der Opfer des Holocaust nennen. Die in den 1940er Jahren dominierenden einheitlichen kleinen schlichten Stelen mit Flachbogenabschluß wurden ebenfalls erst nach Kriegsende errichtet und bezeichnen vornehmlich die Gräber der in der ehemaligen Euthanasie-Anstalt Heggbach vor der Deportation gestorbenen jüdischen Pfleglinge, die aus ganz Württemberg stammten, die zwangsweise nach Laupheim umgesiedelten, vornehmlich älteren Juden aus größeren Städten sowie der nach Kriegsende im DP-Lager in Biberach verstorbenen Juden. Die Steine der letzteren sind wieder vornehmlich in Hebräisch beschriftet und mit Davidsternen weniger geschmückt als vielmehr gekennzeichnet.

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Friedrich Adler

In Laupheim (wo das liegt weiß ja jeder) wußte man von Kunst in meiner Jugend wenig, und von Romantik schon gar nichts. So läßt Friedrich Adler im Jahr 1937 einen Rückblick auf seine Jugendjahre beginnen. Da konnte er bereits auf eine langjährige Karriere als angesehener Künstler und Professor an der Hamburger Kunstschule zurückblicken, die erst von den Nationalsozialisten abrupt beendet worden war.

Friedrich Adler wurde am 29. April 1878 in Laupheim geboren. Sein Vater, Isidor Adler (1828-1916), Konditormeister und Betreiber eines Lebensmittelgeschäftes, war ein hochangesehenes Mitdlied der jüdischen Gemeinde. Er stammte aus einer der ältesten Familien Laupheims. Diese führte sich auf Simon Jakob Adler zurück, der im Jahre 1750 aus Ederheim im Ries nach Laupheim gekommen war. Seine zweite Gattin, Karoline Frieda, geb. Sommer (1841-1916), Mutter von Friedrich Adler, stammte aus Buchen in Baden.

Schon früh zeigte sich bei dem jungen Adler die künstlerische Begabung, stets gefördert von seinem kunstsinnigen Vater. Adler schrieb rückblickend über seine Jugend in Laupheim: Eines Tages schenkte mir mein Vater einen Farbkasten, und als Malvorlage dienten damals Soldatenbilderbogen, die man nach Vorschrift kolorierte. Ich fand das zuerst sehr schön, bis ich eines Tages versehentlich mit dem blauen Pinsel über die gelben Knöpfe der Uniform strich, die sich mit einem Male grün färbten, was mich zuerst ärgerte. Dann aber grübelte ich über diese Überraschung nach, und es kitzelte mich, noch andere Farben übereinander zu malen und ich erlebte neue Überraschungen bereits auf der Innenseite des Kastendeckels, der mir als Palette diente. Da schwammen bereits die schönsten Grüns und Violetts. Und nun spekulierte ich: wenn zwei verschiedene Farben eine neue ergeben, die so schön ist, was wird wohl geschehen, wenn ich nicht zwei, sondern alle, die ich im Kasten habe, miteinander vermische. Gedacht, getan, ich ging aufs Ganze und warf sämtliche Farbtäfelchen in das nebenstehende Wasserglas (ich war etwa 5 Jahre alt.) Nun, das Resultat war recht betrübend - Kakao - und eine Tracht Prügel. Das war ein Umweg, und nicht der einzige. ("Wege und Umwege")

Nach Besuch der jüdischen Volksschule und der Lateinschule in Laupheim und einer Internatsschule in Miltenberg am Main wurde Adler im Jahr 1894 an der Königlichen Kunstgewerbeschule in München angenommen. Nach Abschluß seines Studiums 1898 lebte Adler zunächst als freischaffender Künstler in München, wo der deutsche Jugendstil in seiner Hochblüte stand, und erzielt erste Austellungserfolge. 1902 schreibt er sich als erster Schüler in das neugegründete Lehr- und Versuchsatelier für angewandte und freie Kunst von Hermann Obrist und Wilhelm von Debschitz in München ein und war dort bereits seit 1903 als Lehrer und Leiter der Werkstatt für Stukkatur- und Architekturplastik tätig. Weitere Ausstellungen folgen, darunter auch eine erste Einzelaustellung im Kunstverein Stuttgart. 1907 nahm Adler seine Lehrtätigkeit an der Kunstgewerbeschule, der späteren Landeskunstschule in Hamburg auf. Im selben Jahr heiratete er die Textilkünstlerin Bertha Haymann. Von 1910 bis 1913 leitete Adler zusätzlich zu seiner Lehrtätigkeit in Hamburg in den Sommermonaten die Meisterkurse am Bayrischen Gewerbemuseum in Nürnberg.

Durch den Ersten Weltkrieg wird Adlers künstlerische Entwicklung unterbrochen, als Offiziers-Stellvertreter dient er meist an der Front. Gesundheitlich schwer angeschlagen kehrt er mehrfach ausgezeichnet 1918 nach Hamburg zurück. Doch schon kurz nach Kriegsende stirbt seine Frau Bertha, nur zwei Tage nach der Geburt seines fünften Kindes. Die familiären Probleme lassen es zunächst still um Adler werden. Zwei Jahre später, 1920, heiratet er seine hochbegabte Schülerin Frieda Erika Fabisch, zwei weitere Kinder werden 1925 und 1937 geboren.

Auch in seiner künstlerischen Entwicklung zeichnet sich nun ein Wandel ab: Die Zeit des Jugendstils ist nach dem ersten Weltkrieg endgültig vorbei, richtungweisend in Architektur und Design werden die Künstler des Bauhaus unter Walter Gropius. Schon in seinen letzten Jahren in München hatte Adler sich vom in seiner Endphase von vielen Stilauswüchsen behafteten Jugendstil abgewandt, blieb jedoch dem Naturstudium weiterhin verbunden. Er wendet sich nun intensiv dem Stoffdruck zu, insbesondere der Neubelebung des aus Java stammenden Batik-Drucks. Ein von ihm entwickeltes Wachsdruckverfahren wird 1926 in Deutschland und den USA patentiert, und Adler gründet ATEHA, die "Adler Textildruckgesellschaft Hamburg".

Stets seiner jüdischen Herkunft bewußt, hat sich Friedrich Adler im Laufe seines langjährigen künstlerischen Schaffens auch intensiv mit der Gestaltung jüdischen Kultgeräts beschäftigt. Davon zeugen neben vielseitigem Design von Kultgerät auch die Architektur und Inneneinrichtung von Synagogen. So stammte von ihm zum Beispiel ein in der Pogromnacht mit der Laupheimer Synagoge zerstörtes Glasfenster mit der Darstellung der zwölf Stämme Israels. Auch die Grabsteine auf dem Laupheimer jüdischen Friedhof zeugen von seiner Auseinandersetzung mit dem jüdischen Erbe: Durch die Verbindung traditioneller jüdischer Grabmalformen mit Elementen von Jugendstil, Art Déco und Moderne schuf er dort Denkmäler, die bis heute durch ihre Gestaltung bestechen.

Nach vielen, auch internationalen Ausstellungerfolgen wird Adler schließlich 1927 an der Kunstgewerbeschule in Hamburg zum Professor ernannt. Doch dieser Erfolg sollte ihm nicht lange vergönnt sein. Die Nationalsozialisten bereiten seiner Karriere ein abruptes Ende: 1933 wird Adler entlassen und zwangspensioniert. Auch Ausstellungen waren nun nicht mehr möglich.

Friedrich Adlers ältester Sohn Hermann war bereits 1928 in die USA ausgewandert. Die Bemühungen von Walter Gropius, Adler ebenfalls zur Emigration in die USA zu bewegen, blieben jedoch erfolglos: Als angesehener Kunstprofessor und Teilnehmer am Ersten Weltkrieg glaubte Adler sich in Deutschland sicher. Seine Frau Frieda emigrierte mit der jüngsten Tochter nach Zypern und auch die anderen Kinder verließen Deutschland, gingen nach Palästina und den USA. 1936 besuchte Friedrich Adler Frau und Tochter in Zypern und vertiefte auf seiner Reise auch Kontakte mit Künstlern in Palästina. Obwohl er schon 1933 einen Ruf als Kunsterzieher nach Jerusalem erhalten hatte, sah er hier jedoch kein wirkliches Betätigungsfeld für sich. In völliger Verkennung der Judenpolitik der Nationalsozialisten kehrte Adler nach Hamburg zurück.

Seine weitere Tätigkeit mußte sich nun auf jüdische Kreise beschränken. 1936 war Adler der Jüdischen Gemeinde Hamburg beigetreten und beteiligte sich fortan aktiv am Gemeindeleben. Zunächst lebte er von Privatunterricht an vorwiegend jüdische Studenten, ab 1935 betätigte er sich im "Jüdischen Kulturbund Hamburg" bis zu dessen zwangsweisen Auflösung im Jahr 1941. Sein Freundeskreis wurde durch Emigration immer kleiner, die finanzielle Lage zunehmend schlechter, wiederholte Denunziationen von Hausbewohnern zwangen ihn immer wieder, die Wohnung zu wechseln. Seine inzwischen intensivierten Bemühungen um Emigration waren zum Scheitern verurteilt: Zu spät hatte Friedrich Adler seine bedrohliche Lage in Deutschland erkannt.

Am 11. Juli 1942 wurde Friedrich Adler mit einem Sammeltransport in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert und ermordet. Sein genaues Todesdatum ist nicht bekannt.

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Ausgewählte Literatur:

Ernst Schäll: "Friedrich Adler (1878-1942). Ein Künstler aus Laupheim", in: Schwäbische Heimat 1 (1981), S. 46-61

Ernst Schäll: "Friedrich Adlers Lebensgeschichte im Überblick", in: Spurensuche: Friedrich Adler zwischen Jugendstil und Art Déco. Katalog zur Ausstellung, hrsg. von Brigitte Leonhardt u.a., Stuttgart 1994, S. 20-33

Ernst Schäll: Friedrich Adler - Leben und Werk, Bad Buchau 2004

Maike Bruhns: "Friedrich Adlers Leben nach 1933", in: Spurensuche: Friedrich Adler zwischen Jugendstil und Art Déco. Katalog zur Ausstellung, hrsg. von Brigitte Leonhardt u.a., Stuttgart 1994, S. 82-93

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Die von Friedrich Adler entworfenen Grabmale

In den vielen Grabmalen auf dem Laupheimer Friedhof, die auf Entwürfe von Friedrich Adler zurückgehen, drückt sich dessen enge Verbundenheit mit seiner Geburtsstadt aus. Hier existieren heute noch allein 15 Grabsteine, die Adler sicher zugeschrieben werden können. Weitere finden sich auf den jüdischen Friedhöfen in Göppingen, Ulm und Hamburg-Ohlsdorf. Die meisten dieser Grabsteine wurden für Familienmitglieder und Freunde errichtet. So steht auch auf dem christlichen Friedhof in Laupheim ein von ihm entworfene Grabstein: für Ida Rechtsteiner, geb. Müller, der 1907 verstorbenen Gattin des Laupheimer Kunstschreiners Philipp Rechtsteiner, der eng mit Adler befreundet war und viele Jahre mit ihm zusammengearbeitet hatte.

Die Gestaltung der Grabmale ist eng mit Adlers künstlerischer Entwicklung verbunden, einzelne Elemente lassen sich in seinen anderen Werken wiederfinden. Laurie A. Stein vom Werkbundarchiv Berlin unterteilt seine Entwürfe entsprechend in sechs Kategorien, die hier kurz vorgestellt werden sollen.

Die erste Kategorie umfaßt die Grabsteine mit schlichter Jugendstildekoration. Zu diesen frühen Werken gehört in Laupheim der Adler aufgrund stilistischer Merkmale zugeschriebe Grabstein für Bertha Heumann, geb. Lövinger (gest. 1900, S 19/4, Grabstein Nr. 0243). Dieser grob behauene Stein wird von einer mit Disteln umrankten Urne gekrönt. Angelehnt an die traditionellen Grabsteinformen dominiert hier die hebräische Inschrift auf der Vorderseite des Steins, hervortretende Buchstaben auf einer eingesetzten, ovalen weißen Marmortafel. Die deutsche Inschrift befindet sich auf einer Grabplatte davor, umkränzt von stilisierten Rosenranken, wie sie typisch sind für die deutsche Jugendstilbewegung.

Auch sehr viel später griff Adler noch auf Jugendstilelemente zurück. Dies zeigt sich am gemeinsamen Grabmal für seine erste Frau, Bertha Adler, geb. Haymann (gest. 1918), und ihrer Mutter Ida Haymann, geb. Rieser (gest. 1923, S 25/6, Grabstein Nr. 0343). Hier dominieren nun klarere Formen, gerade Linien, doch den Grabstein ziert eine wunderschön gearbeitete Jugendstilrose.

Zu der Kategorie der Hochreliefdekorationen ist in Laupheim der Grabstein von Adlers Schwiegervater Max Haymann (gest. 1908, N 20/2, Grabstein Nr. 0703) zu zählen. Während bisher der Schwerpunkt der Gestaltung entsprechend traditioneller Formen noch auf der vorderen Ansicht gelegen hatte, tritt nun die Dreidimensionalität der Steinmetzarbeit als wesentliches Element des Konzeptes hervor. Im organischen Umgang mit dem Material und der Gestaltung zeigen sich Einflüsse von Obrist und von Debschitz, Adlers Lehrern in München.

Zu den hervorstechensten Beispielen Adlerscher Grabmalkunst auf dem Laupheimer Friedhof zählen die der Kategorie der Maßwerk- und Steinmetzdekoration. Diese recht schlichten Stelen werden gekrönt von geometrisch geformten Dreiecks- oder Rundbogengiebeln mit komplexer, stark abstrahierter Filigranarbeit. Der älteste dieser Grabsteine wurde für Adlers Vater errichtet, Isidor Adler (gest. 1916, N 23/7, Grabstein Nr. 0739). Das Maßwerkornament des durchbrochenen Runds im Giebel, mit gothisierenden Stilelementen an Rosettenfenster in Kirchen und Synagogen erinnernd, stellt vermutlich eine stilisierte Alraune dar, die auch als "A" für Adler zu sehen sein mag. Hier werden die Einflüsse von Adlers Beschäftigung mit farbigen Glasfenstern ebenso wie mit Sakralarchitektur deutlich.

Fortgeführt wird dieses Konzept bei den um 1920 erneuerten Grabsteinen für Rebekka Lämmle (gest. 1883, S 13/4, Grabstein Nr. 0167) und ihrem Gatten Judas Baruch Laemmle (gest. 1892, N 15/9, Grabstein Nr. 0652). Anstelle der stilisierten Alraune im Giebel des ersten Steins treten nun in die durchbrochenen Dreiecksgiebel die hebräischen Initialen der Verstorbenen. Diese finden sich auch im Giebel des Steins ihrer Tochter, Karoline Bernheim, geb. Laemmle (gest. 1924, N 25/4, Grabstein Nr. 0756), geschmückt von filigranen stilisierten floralen Ranken. Doch bleibt das Maßwerk hier reliefiert, der Giebel ist nicht mehr vollständig durchbrochen. Während sich auf den erneuerten Steinen der Eltern - sicher in Anlehnung an die Originale - eine hebräische Inschrift über der deutschen findet, ist das jüdische Element hier auf die Initialen reduziert.

Zur Kategorie der architektonischen Entwürfe gehören in Laupheim die fast identisch gestalteten Grabmale für Anton Bergmann (gest. 1912, N 22/1, Grabstein Nr. 0722) und seine Gattin Lina Bergmann (gest. 1928, S 27/3, Grabstein Nr. 0357), in ihrer strengen klassischen Form und zurückhaltender Dekoration Beispiele typischer deutscher Architektur der Vorkriegszeit. Der Stein Lina Bergmanns nimmt mit seinem ovalen Schriftfeld die Form der eingesetzten Schrifttafel beim Stein des Gatten wieder auf, hier jedoch heben die hervortretenden Buchstaben durch ihre starke plastische Wirkung die Inschrift besonders hervor.

Besonders eindrucksvoll ist der ebenso schlichte wie ausdrucksstarke Grabstein für Adlers Mutter, Frieda Adler, geb. Sommer (gest. 1921, S 24/3, Grabstein Nr. 0325). Hier nimmt Adler die traditionelle Form der schmalhohen, sich leicht nach oben verjüngenden Stele wieder auf, der an Dreiecksgiebel angelehnte Abschluß jedoch wird von stufenförmigen Dekorationselementen mit starker plastischer Wirkung gebildet, die eindeutige Einflüsse des Art Déco spürbar machen.

Schlichtes und modernes Design, charakteristisch für die 20er und 30er Jahre, zeigt bereits das Gefallenendenkmal aus dem Jahr 1920 (Nr. 9000). Dieses Konzept führt Adler in den folgenden Jahren konsequent fort, wie am Beispiel des sachlichen, schlichten Grabsteins für Willy Bergmann (gest. 1925, N 24/10, Grabstein Nr. 0752) zu ersehen ist, ebenso beim Doppelstein für Jeanette Rieser (gest. 1928) und ihre Schwester Amalie (gest. 1940, S 25/7, Grabstein Nr. 0344).

Der zunehmende Verzicht auf Dekor läßt nun die Schrift als bewußt eingesetztes Gestaltungselement immer stärker in den Vordergrund treten. Besonders deutlich wird dies bei dem breitrechteckigen Stein für Hugo Hofheimer (gest. 1928, S 26/2, Grabstein Nr. 0347) und der schmalhohen Doppelstele für Adlers Bruder Jakob Adler (gest. 1935) und dessen Sohn Herbert (gest. 1939, N 28/3, Grabstein Nr. 0784). Deren Schlichtheit wird aber gleichermaßen von den Verhältnissen bestimmt worden sein, die das Leben der Juden unter den Nationalsozialisten prägten.

Zu den expressionistischen Formen, in denen Adler bildhauerische, strukturelle und architektonische Elemente zu einer strengen, dreidimensionalen Form verschmelzen läßt, zählt Laurie A. Stein das Grabmal von Moritz Einstein (gest. 1926, S 25/8, Grabstein Nr. 0345). Gleichzeitig lehnt sich dieser Stein, eine schmalhohe Stele mit eingezogenem, mehrfach abgesetztem Spitzgiebel, wieder an traditionelle Grabsteinformen an. Dies wird von einem kleinen Davidstern im Giebel unterstrichen.

Die von Adler entworfenen Grabmale auf dem jüdischen Friedhof Laupheim demonstrieren in anschaulicher Weise seinen künstlerischen Werdegang, von Jugendstil über Art Déco zu den schlichten, klaren Formen der 20er und 30er Jahre. Viele zeigen in Konzept wie im Detail Gemeinsamkeiten mit seinen Werken aus anderen Kunstbereichen. Gleichzeitig drücken sie Adlers enge Verbundenheit mit seiner Familie und seiner Geburtsstadt Laupheim aus.

So auffallend, wie einzelne Grabsteine auch sein mögen, so fügen sie sich doch harmonisch in das Gesamtbild des Friedhofes ein. Adler nimmt Formen traditioneller jüdischer Grabkunst ebenso auf wie Elemente umstehender Grabsteine, variiert sie und entwickelt sie weiter. Mit diesen Grabmalen setzte Friedrich Adler nicht nur anderen, sondern auch sich selbst ein bleibendes Denkmal.

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Ausgewählte Literatur:

Laurie A. Stein: Grabmalkunst, in: Spurensuche: Friedrich Adler zwischen Jugendstil und Art Déco. Katalog zur Ausstellung, hrsg. von Brigitte Leonhardt u.a., Stuttgart 1994, S. 130-137

Udo Bayer: Friedrich Adler - Kontexte des Werks, online

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Symbolik auf jüdischen Grabsteinen

Die Symbolik auf jüdischen Grabsteinen ist vielfältig und insbesondere bei den älteren Steinen oft auffälligstes Element der Gestaltung. Nicht immer erschließt sich ihre Bedeutung für den Betrachter sofort, daher sollen im folgenden die in Laupheim vorkommenden Symbole kurz erklärt werden.

Die Symbolik ist in zwei Kategorien zu unterteilen: in jüdische Symbole und solche, die von der Umgebung übernommen wurden. Diese müssen wiederum unterschieden werden von allgemeinem Schmuck, insbedondere vielfältige pflanzliche und florale Motive ohne tiefere Bedeutung.

Nicht immer stehen die jeweiligen Symbole für sich, oft wurden sie miteinander verbunden. In jüngerer Zeit trifft man auch jüdische Symbole in Verbindung mit nichtjüdischen Symbolen an.

Zu den jüdischen Symbolen zählen solche, die auf die Abstammung hinweisen, für ein Ehrenamt in der Gemeinde stehen oder Eigenschaften wie große Gelehrsamkeit und und hohes Ansehen hervorheben. Andere symbolisieren den Namen des Verstorbenen oder deuten als allgemein jüdische Symbole auf sein Judentum.

Nichtjüdische Symbole sind meist dem Symbolschatz der Antike entlehnt und wurden von den christlichen Gräbern der Umgebung übernommen. Meist stehen sie für die Vergänglichkeit des Lebens, den ewigen Schlaf oder die Hoffnung auf Auferstehung.

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Jüdische Symbolik

Zu den häufigsten Symbolen zählen diejenigen, die für die Abstammung von den alten Geschlechtern der Kohanim und der Leviten stehen. So weisen die segnenden Priesterhände auf die Abkunft aus dem aaronidischen Priestergeschlecht der Kohanim hin. Diese waren im Tempel für die Darbringung der Opfer zuständig und sprachen den Segen über das Volk. Der Priestersegen stammt aus Numeri 6,22-26:


Und der Ewige redete zu Moscheh also:
Rede zu Aharon und zu seinen Söhnen und sprich:
Also sollt ihr segnen die Kinder Israels, sprich zu ihnen:
Es segne dich der Ewige und behüte dich;
Der Ewige lasse dir leuchten sein Anlitz und sei dir gnädig;
Der Ewige wende sein Anlitz dir zu und gebe dir Frieden!

Dieser Segen, bei dem der Kohen die Hände in der charakteristischen Fingerhaltung erhebt, hat sich bis heute in der Synagoge erhalten. Als Symbol findet sich die Darstellung der Hände in Laupheim ausschließlich auf Grabsteinen von Männern.

Die Levitenkanne weist auf levitische Abkunft. Die Leviten waren im Tempel unter anderem für die kultische Reinheit zuständig und wuschen den Priestern vor dem Opferkult die Hände. Dafür steht auf den Grabsteinen das Symbol der Kanne. Diese ist in Laupheim in den veschiedensten Formen vertreten, bauchige Waschkrüge, einige mit Untersatz, stehen neben hohen schlanken Gießgefäßen. Manchmal eingraviert, meist jedoch plastisch hervortretend schmücken sie Giebel oder Sockel des Grabsteins, in Laupheim einmal auch den Grabstein einer Frau.

Andere jüdische Symbole weisen auf ein Ehrenamt innerhalb der Gemeinde hin. Auf einen Mohel, einen Beschneider, deutet die Darstellung eines Beschneidungsmessers, in Laupheim meist verbunden mit den bei der Beschneidung verwendeten zwei Kelchen und einem Gebetbuch.

Auf das Ehrenamt des Schofarbläsers steht das Schofar, das Widderhorn. Dieses wird an Neujahr und am Versöhnungstag in der Synagoge geblasen, um die Sünder zur Umkehr zu mahnen. Auf Grabsteinen kann es auch als Sinnbild für die Auferstehung verstanden werden: Am Ende der Tage erschallt das "Große Schofar", die Verstorbenen zu wecken.

Ein oft aufgeschlagenes Buch steht für große Gelehrsamkeit und religiöse Bildung und findet sich meist auf Grabsteinen von Vorbetern und Rabbinern. In Laupheim erscheint dieses Symbol immer in Verbindung mit einem anderen, meist einem Beschneidungsmesser oder einem Schofar.

Die Krone des guten Namens geht zurück auf Pirke Awot 4,17, die "Sprüche der Väter" aus dem 2. Jahrhundert: Rabbi Schimon sagt: Drei Kronen gibt es: Die Krone der Tora, die Krone der Priesterwürde und die Krone des Königtums; die Krone des guten Namens aber übertrifft sie alle. Bei verheirateten Frauen kann die Krone auch für den so häufig zitierten Vers Prov 12,4 stehen: Eine tüchtige Gattin ist die Krone ihres Mannes. Die ersten drei Kronen, die in Laupheim zu Beginn des 19. Jahrhunderts auftreten, sind dreidimensional auf die Spitze von Dreiecksgiebeln aufgesetzt. Später erscheinen Kronen meist reliefiert im Giebel über der Inschrift.

Zu den allgemein-jüdischen Symbolen gehört der Davidstern, hebräisch Magen David, der "Schild Davids". Schon im antiken Judentum ist das Hexagramm als dekoratives Element bekannt, doch erst um die Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelt es sich zu einem Symbol des Judentums. Dies nahm seinen Anfang in Prag, dort läßt sich der Davidstern erstmals 1354 auf der Fahne der Prager Juden nachweisen. In Laupheim erscheint der Davidstern zum ersten Mal 1909 und dann seit dem Kriegsjahr 1916 auf Grabsteinen, so auch 1918 auf dem Grabmal des gefallenen Leutnant Heinrich Steiner. Dies steht sicherlich in Zusammenhang mit dem wachsenden jüdischen Selbstbewußtsein im Zuge des Ersten Weltkrieges. Eher mit einem Davidstern gekennzeichnet denn geschmückt sind die erst nach Kriegsende errichteten, vornehmlich oder ausschließlich hebräisch beschrifteten Grabmale aus den Jahren 1944 und 1945.

Tierdarstellungen stehen mit dem Namen des Verstorbenen in Zusammenhang und gehen auf den Jakobssegen zurück. Dort heißt es zum Beispiel über den Stamm Jehuda: Jungleu, Jehuda, ... er kauert, streckt sich, wie Löwe und Löwin (Gen 49,9). Und so ziert das Grabmal eines Verstorbenen mit Namen Jehuda oft ein Löwe. Der Stamm Naftali wird mit einem springenden Hirsch verglichen (Gen 49,21). Anstelle eines Esels, wie im Jakobssegen (Gen 49,14), wird der Name Jissachar meist mit einem Bären assoziiert, ebenfalls ein Sinnbild für Stärke.

Auf zwei Grabsteinen findet sich in Laupheim die Darstellung der Bundestafeln, auf denen Moses auf dem Berg Sinai die "Zehn Gebote" empfing. Diese beiden miteinander verbundenen, oben abgerundeten Tafeln zeigen meist die ersten zehn Buchstaben des hebräischen Alphabets, stellvertretend für die Zehn Gebote. Bezeichnend ist, daß stattdessen in Laupheim römische Zahlen stehen: Die Bundestafeln sind eigentlich ein Element der christlichen Kunst des Mittelalters, ihre Darstellung gelangte erst spät in die jüdische Kunst.

Davidsterne, eine Bundestafel und eine Levitenkanne sind die einzigen jüdischen Symbole, die sich in Laupheim auch auf Frauengrabsteinen finden. Nichtjüdische Symbolik ist dagegen auf Männer- wie Frauengrabsteinen gleichermaßen zu finden.

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Nichtjüdische Symbolik

Das erste nichtjüdische Symbol erscheint in Laupheim auf dem Grabstein einer im Jahre 1828 verstorbenen Frau. Es stellt ein Auge dar, eingeschrieben in ein Dreieck und umgeben von Strahlen. Dieses Zeichen, nicht zu verwechseln mit dem gleichgestalteten christlichen Symbol der Dreifaltigkeit, steht hier als Symbol der Aufklärung, für die Dreiheit von "liberté, égalité, fraternité": Im Sterbejahr 1828 wurden in Württemberg die Emazipationsgesetzte erlassen, ein großer Schritt hin zur bürgerlichen Gleichstellung der Juden.

Auf zwei Grabsteinen in Laupheim finden sich Symbole, die auf den Beruf des Verstorbenen deuten. Auf dem Grabstein der Esther Weil von 1854 sind im Giebel eine Schere und eine Garnrolle dargestellt, ihren Beruf der Putzmacherin symbolisierend. Und auf dem Grabmal des im Jahr 1881 in seiner Lehrwerkstatt bei einem Arbeitsunfall ums Leben gekommenen Adolf Neumeier sind Bierbrauereigeräte in einem Bottich dargestellt.

Blumen und pflanzliche Ornamente waren von Beginn an zur Zierde von Männer- wie Frauengrabsteinen gleichermaßen sehr beliebt. Zu den ersten, phantasievoll gestalteten Blumensträußen gesellen sich bald einzelne Blüten, Blütenranken und Girlanden, mal stilisiert, mal äußerst naturgetreu wiedergegeben. Meist ist dieser Schmuck reines Ornament, doch einigen Pflanzen kommt eine tiefere, auf die Antike zurückgehende Bedeutung zu.

Rosen finden sich schon auf antiken Grabmalen als Symbol für die Erneuerung des Lebens: Dem Mythos nach sind sie aus dem Blute des Adonis, des jeweils wieder auflebenden Vegetationsgottes, enstanden. Eine besondere Bedeutung kommt der geknickten Rose zu, in Laupheim erstmals 1884: Nur auf Grabmalen Jungverstorbener zu finden, steht sie hier für ein unvollendetes Leben, für den Tod zur Unzeit. Meist erscheint dieses Symbol in Verbindung mit anderen ähnlichen Inhalts: der gebrochenen Säule und dem Kranz der Jungfräulichkeit.

Ende der 1880er Jahre kommt in Laupheim die Darstellung von Mohnblüten und Mohnkapseln in Mode. Mohn steht einerseits in Verbindung mit dem Mysterienkult der Demeter in Eleusis, dessen Eingeweihte, sich ein freudvolles Weiterleben nach dem Tode erhoffen konnten. Andererseits wurde er seit jeher als Betäubungs- und Schlafmittel verwendet und steht so auch für den Todesschlaf.

In den 1830er Jahren finden sich die ersten gekreuzten Palmwedel. Die Palme, Siegessymbol der römischen Antike, tritt im frühen Christentum als Heiligenattribut auf. Somit zum Symbol für den Sieg des Glaubens über den Tod und für die Auferstehungsverheißung geworden, steht die Palme als immergrünes Gewächs auch für die Unsterblichkeit.

Seit Mitte der 1880 Jahre erscheinen Palmwedel auch kombiniert mit Lorbeerzweigen. Als dem Gott Apoll heiligen Baum wurde Lorbeer in der Antike zum beliebten Zeichen der Festfreude, zum Symbol von Dichtern und Sängern. Entsprechend mögen die Lorbeerzweige auf dem Grabstein des Benjamin Sänger (gestorben 1902, N 18/2, Grabstein Nr. 0681), kombiniert mit dem jüdischen Symbol des Schofars, als eine Würdigung seines musischen Talentes zu verstehen sein (Abbildung siehe oben). Der Lorbeer war in der Antike aber auch die Pflanze der Reinigung und Entsühnung, und so wird er hier in der Verbindung mit Palmwedeln meist zu deuten sein.

Seit den 1840er Jahren werden auch Kränze beliebt, teils stilisiert, teils kunstvoll aus Blüten, Efeu oder Weinranken zusammengesetzt. Efeu und Wein stehen in der Antike in Verbindung mit den Gottheiten Osiris und Dionysos, die im Zusammenhang mit dem Wiedergeburtsmythos eine Rolle spielen. So konnte diese Pflanze zu einem Symbol für die Auferstehungshoffnung werden.

Ein Symbol für die verrinnende Lebenszeit, die Vergänglichkeit des Lebens, ist die geflügelte Sanduhr, wie sie sich auf dem Grabstein des Heinrich Nördlinger findet. Dieses Motiv verbirgt sich wohl auch in der kunstvollen Ausschmückung im Giebel des Jugendstilgrabmals von Adolf Gideon.

Die beidseitig der Inschrift angebrachten Symbole auf dem Grabstein der 1854 gestorbenen Fanny Nathan stellen vermutlich gesenkte Fackeln dar, Zeichen für das Lebenslicht, das verlischt.

Hinter der Zweipaßrosette, wie sie seit 1852 mehrfach als Giebelschmuck auftaucht, mag sich eine Ewigkeitsschlange verbergen. Die sich in den Schwanz beißende Schlange ist ein Symbol für den ewigen Kreislauf von Leben und Tod.

Amphoren und Urnen symbolisieren die Vorstellung, daß der Leib wieder zu Staub wird, gemäß dem Bibelvers Genesis 3,19: Denn Staub bist du, und zum Staube kehrst du zurück. Sie stehen für den sterblichen Leib als Gefäß für die Seele, die mit dem Tod befreit wird. Als Relief in der Grabplatte oder als plastischer Grabmalaufsatz in Laupheim seit den 1890er Jahren zu finden, sind sie jedoch keinesfalls in Verbindung mit der Feuerbestattung zu sehen.

Als ein Symbol für den Abschied steht der Händedruck auf dem Grabmal des Max Mayer von 1859 (S 6/10, Grabstein Nr. 0061). Seit der Antike auch als ein Zeichen der Treue und inniger Verbundenheit über den Tod hinaus, ziert der Händedruck auch das gemeinsame Grabmal der im Kindesalter verstorbenen Cousinen Regine und Friederike Hofheimer.

Einzigartig in Laupheim und dem bisher streng beachteten biblischen Bilderverbot widersprechend ist die Darstellung einer sitzenden Frauengestalt auf dem gemeinsamen Grabstein für Martha Nördlinger, ihrem Gatten und ihrer Schwester. Die Hände im Schoß verschränkt, den Kopf gesenkt, ist die Figur als Personifizierung der Trauer zu sehen.

Viele Symbole aus der klassischen Antike wurden zwar als inzwischen mit christlicher Bedeutung belegter Grabschmuck von der Umgebung übernommen, aber insbesondere pflanzliche Motive waren gleichermaßen jüdisch besetzt. Schon der Tempel war mit floraler Ornamentik reich verziert (siehe z. B. 2 Kön 6,29), ebenso die antiken Synagogen.

So kann zum Beispiel das Bild der Rose auch als Sinnbild für die Verheißung Gottes an das jüdische Volk verstanden werden: Ich will sein wie der Tau für Israel, es blühe wie die Lilie (Hosea 14,6; das hebräische Wort für "Lilie" wird umgangsprachlich im Sinne von "Rose" gebraucht). Die geknickte Rose symbolisiert entsprechend diese Verheißung, die nicht in Erfüllung ging.

Die Palme ist in der Bibel ein Sinnbild für einen Gerechten, gemäß Psalm 92,13: Der Gerechte, Palmen gleich blüht er.

Weinlaub kann einerseits als Auferstehungssymbol gesehen werden, ebenso aber auch für Fruchtbarkeit stehen. So wird in Psalm 128,3 eine Gattin und Mutter mit einem fruchttragenden Weinstock verglichen.

Die meisten dieser nichtjüdischen Symbole haben jedoch im Laufe der Zeit ihren Symbolwert verloren haben und wurden als reines Schmuckelement von der Umgebung übernommen. Nur selten läßt sich – wie bei der erwähnten Darstellung von Lorbeerzweigen auf dem Grabmal von Benjamin Sänger – ein Bezug zu einer tieferen Bedeutung eines Symbols herstellen.

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Die Inschriften

Gab schon die Beschreibung der Friedhofsanlage und der Gestaltung der Grabmäler einen Einblick in die Geschichte der Juden in Laupheim, so sind doch die Grabinschriften der wichtigste und interessanteste Bestandteil. Zum einen sind diese Inschriften Zeugnisse für das Leben und Sterben eines Einzelnen: Sie nennen uns seinen Namen und sein Sterbedatum, künden von seinen Tugenden und seinen guten Werken, erzählen von seiner Aufgabe in der Gemeinde; sie loben die tüchtige Gattin, betrauern das kleine Kind. Doch darüber hinaus sind Grabinschriften auch wichtige Quellen für die Kulturgeschichte einer ganzen Gemeinde. Sie zeugen von den Werten einer Generation ebenso wie vom Wandel dieser Werte im Laufe der Zeit, sie geben uns ein Bild vom Umgang mit dem Tod, sie spiegeln die zunehmende Assimilierung an die Umgebung wider.

Eine hebräische Grabinschrift ist aus mehrern Elementen zusammengesetzt, die verschieden kombiniert und vielfältig variiert werden können. Zu den Grundelementen gehört eine Einleitungsformel, der Name des oder der Verstorbenen, das Sterbedatum und eine Schlußformel. Diese Elemente können durch eine kürzere oder längere Eulogie ergänzt und mit verschiedenen Stilmitteln ausgeschmückt werden. Im Folgenden sollen diese einzelnen Elemente näher betrachtet und ihre Entwicklung in Laupheim untersucht werden.

Der überwiegende Teil der Inschriften beginnt mit der meist abgekürzten Einleitungsformel Hier ist begraben, etwas seltener auch mit Hier ist geborgen. Während es im Mittelalter eine Vielzahl von Einleitungsformeln gab, haben sich diese Abkürzungen mit Beginn der Neuzeit in Deutschland als fast alleinige Überschreibungen hebräischer Grabinschriften durchgesetzt. In Laupheim gibt es nur wenige Ausnahmen: Sieben Inschriften greifen in jeweils leichten Variationen auf zwei mittelalterliche, der Bibel entlehnte Wendungen zurück. So beginnen drei mit Zeichen, Dies ist das Zeichen oder Dieses Zeichen wurde aufgestellt zu Häupten von ... nach 2 Könige 23,17. Vier weitere leiten die Inschrift mit Stele oder Grabstele ein, die biblische Bezeichnung für das Mal, das Jaakow über dem Grab Rachels errichtete (Genesis 35,20). Die Inschrift auf dem wahrscheinlich erneuerten Grabstein für den 1831 gestorbenen Hoffaktor David Hofheimer setzt darüber noch Zum Gedenken! Dies ist die Stele von ..., als Parallele zur Einleitung der deutschen Inschrift auf der Rückseite des Grabmals: "Denkmal für...".

Bei einer kurzen Inschrift folgt nach der Einleitungsformel der Name des oder der Verstorbenen. Der Herkunft dieser Namen ist ein eigenes Kapitel gewidmet, daher sollen sie hier nur in aller Kürze betrachtet werden. Dem Namen eines Mannes wird stets der Name seines Vaters hinzugefügt, zum Beispiel Awraham, Sohn des Jizchak. Bei einer Frau folgt der Name des Vater und/oder der Name des Gatten: Jettle, Tochter des Naftali, Gattin des Awraham. Waren Vater oder Gatte bereits verstorben, wird ihrem Namen Sein Andenken zum Segen hinzugefügt, seltener auch Friede sei mit ihm.

Bei Männern wird immer der sogenannte Synagogennamen genannt, den ein Knabe mit der Beschneidung erhält. Trägt ein Mann einen weiteren Namen, der sich von diesem unterscheidet, kann er hinzugefügt werden: Naftali, genannt Hirschle oder Naftali Hirschle. Bei einem Mann werden gegebenfalls auch die Stammesbezeichnungen hinzugefügt, bei einem Leviten Halevi oder SeGaL, die Abkürzung für Sgan Levia, "Anführer der Levitenschaft", bei den wenigen Kohanim in Laupheim Hakohen oder die Abkürzung KaZ für Kohen Zedek, "Priester der Gerechtigkeit". Schon auf dem drittältesten erhaltenen Grabstein von 1768 findet sich als Zusatz auch der Familienname Weil, 1815 erscheint erstmals der Name Lövinger, 1827 Lewenstein. Doch bleiben diese bis zur gesetzlichen Einführung von Familiennamen für Juden im Jahr 1828 die Ausnahme. Dann finden sie auch Aufnahme in die Grabinschrift, zunächst jedoch nur sehr zögerlich. 1833 lesen wir auf einem Stein: Jaakow, Sohn des Awraham, bekannt unter dem Namen Jukew Bernheim. Erst seit Ende der 1840er Jahre werden die Familiennamen in so gut wie jeder hebräischen Grabinschrift zusätzlich zum Vaters- oder Gattennamen genannt.

Vor dem Namen wird oft Bezug genommen auf den Familienstand des oder der Verstorbenen. Vor dem Namen von Männern steht Herr, bei Frauen heißt es schlicht Frau oder Witwe, einmal auch gwira, die "Herrin". Die in der Übersetzung verwendeten, etwas irreführenden Begriffe für Unverheiratete, "Jungfrau" für betula und "Jüngling" für bachur, werden gleichermaßen für alte wie wie jung verstorbene ledige Erwachsene verwendet, bei Kindern steht meist "der Knabe" oder "das Mädchen", bei Kleinkindern "das Kind". Diesen Wörtern sind oft lobende Beiwörter beigegeben: Männer waren redlich, verlässlich und freigebig, gerecht, gut, schlicht und demütig, gottesfürchtig, weise und einsichtig, teuer, geliebt und geachtet, Frauen waren angesehen und teuer, gut und bescheiden, gottesfürchtig und demütig, makellos und untadelig, verständig und gerecht, angenehm und schön (in ihrem Tun).

Nach dem Namen folgt das Sterbedatum (siehe hierzu auch das Kapitel über den jüdischen Kalender). Entsprechend dem Gebot der schnellstmöglichen Beerdigung erfolgte diese, wenn möglich, noch am Sterbetag, und so geben die allerältesten Steine in Laupheim auch nur das Sterbedatum an. Nur einmal ist auch das Begräbnisdatum dazugesetzt, weil der Betreffende am Schabbat gestorben war, die Beerdigung wegen der Heiligkeit des Tages um einen Tag verschoben werden mußte. Seit den 1790er Jahren wird die schnelle Beerdigung fast immer betont: "gestorben und begraben (am selben Tag)". In diese Zeit fällt die zunehmende Auseinandersetzung mit der Angst vor Scheintod und Lebendigbegrabenwerden, die schließlich zur Einführung mehrtägiger gesetzlicher Wartefristen zwischen Tod und Beerdigung führte. Diese wurden in weiten Kreisen der jüdischen Bevölkerung jedoch nur sehr widerwillig übernommen. In Laupheim schlägt sich dieses Gesetz erst seit Anfang der 1830er Jahre in den Grabinschriften mit der Nennung von unterschiedlichem Sterbe- und Begräbnisdatum nieder. Mit dem Beginn der Registrierung der Sterbefälle im Jahr 1833 erfolgte die Beerdigung in der Regel zwei Tage nach dem Ableben, nur in Ausnahmefällen auch früher, etwa bei ansteckenden Krankheiten. Dann ist beim Eintrag des Begräbnisdatums im Sterberegister jeweils "mit besonderer ärztlicher Erlaubnis" oder ähnliches vermerkt.

Allgemein nicht üblich war die Angabe eines Geburtsdatums. Nachträglich mit dem Bibelwort Besser guter Name als köstlich Öl, und der Tag des Todes als der Tag seiner Geburt (Kohelet 7,1) erklärt, findet es sich nur sehr selten in einer hebräischen Grabinschrift, in Laupheim ganze dreimal (N 9/11, Grabstein Nr. 0578 von 1876, Fragment 14, Nr. 0894 von 1881 und N17/9, Grabstein Nr. 0677 von 1901). Das Lebensalter wird dagegen seit Ende der 1850er Jahre sehr häufig angegeben. Dies geschieht entweder durch die Angabe des genauen Alters oder durch Umschreibungen, wie zum Beispiel er starb in seinen besten Jahren. Bei sehr jung Verstorbenen war eine nach Ijob 8,12 abgewandelte Wendung beliebt: noch in seiner Blüte pflückte ihn der Tod. Im Vergleich mit dem biblischen Hiob findet man bei alt gewordenen Männern häufig alt und satt an Tagen (Ijob 42,17), und aus dem Buch Genesis stammt der Vergleich mit dem Erzvater Abraham: in hohem Greisenalter, alt und (lebens)satt (Genesis 25,8).

Meist schließt eine hebräische Grabinschrift mit einem Schlußsegen. Schon in der Antike findet sich der nach 2 Samuel 25,29 abgewandelte Segen Seine/ihre Seele sei eingebunden in das Bündel des Lebens. Dieser setzte sich seit dem Mittelalter als fast alleiniger Schlußsegen hebräischer Grabschriften durch und ist auch in Laupheim in abgekürzter Form unter so gut wie jeder Inschrift zu finden. Seit den 1830er Jahren wird er hier immer häufiger leicht variiert, die Reihenfolge der Worte umgestellt, ein Amen oder Amen Sela angefügt, nur ein einziges Mal (1777) durch die sonst häufiger zu findende Formel im Garten Eden ergänzt. Auffallend ist in Laupheim die häufige Abkürzung des letzten Wortes dieses Segens auf zwei statt auf einen Buchstaben. Unter Hinzufügung der Abkürzung für Amen Sela wird diese Form seit spätestens den 1860er Jahren am beliebtesten. Seit 1880 fällt dann das Sela wieder weg, das Wort Amen erscheint nur noch zweimal in ausgeschriebener Form, die Schlußformel wird meist, seit 1891 wieder ausschließlich auf ihre Grundform von fünf abgekürzten Buchstaben reduziert.

Diese Grundelemente der hebräischen Grabinschrift können auf vielfältige Weise erweitert und variiert werden. Viele Inschriften enthalten vor oder nach dem Namen eine, in Laupheim meist recht kurz gehaltene, Eulogie auf den Verstorbenen. Diese sind oft kunstvoll komponiert und zusammengesetzt aus Schriftzitaten, die sowohl wörtlich übernommen oder personen- und situationsgerecht abgewandelt sein können. Besonders beliebt waren Zitate aus den Psalmen und den Sprüchen. Im Mittelpunkt dieser Eulogien steht der Wandel des Menschen nach Gottes Weisung: seine Ehrfurcht vor dem Allerhöchsten, seine Wohltätigkeit gegenüber Armen und Bedürftigen, seine Fürsorge für Lebende und Tote, sein Eintreten für das Wohl der Gemeinschaft. Als Beispiel sei hier die Inschrift für David Levinger (N 5/3, Grabstein Nr. 0510 von 1860) wiedergegeben:


Ein schlichter und redlicher Mann,
er wandelte untadelig und übte Gerechtigkeit
und war mildtätig mit Israel, ...
er erbarmte sich der Bedürftigen
und gab von seinem Gelde, schlaffe Hände zu unterstützen,
er bereitete seinen Tisch den Armen
und sein Haus zur Herberge für Durchreisende,
und er setzte sich ein für Bedürftige
und wich nicht ab von den Wegen der Tora alle Tage.

Bei Männern wird darüber hinaus die Gelehrsamkeit ebenso hervorgehoben wie der regelmäßige Besuch der Synagoge. So war zum Beispiel Wolf Stern ein weiser und buchkundiger Mann (N 13/13, Grabstein Nr. 0630 von 1889), und Moses Rosenthal eilte mit Anstrengung (all) seiner Kraft früh morgens zu der Zusammenkunft und (weilte) bis spät nachts im Hause des Gebets (N 1/11, Grabstein Nr. 0466 von 1864).

Das Lob auf die (verheiratete) Frau ist mit Vorliebe aus dem "Lob auf die tüchtige Gattin" nach Sprüche 31,10-31 zusammengesetzt, das daher hier, in der Übersetzung von Leopold Zunz, in Auszügen wiedergeben werden soll:


"Ein wackeres Weib, wer findet es?
denn schwerer zu erkaufen ist es als Perlen.
Es vertraut auf sie das Herz ihres Mannes,
und sein Erwerb nimmt nicht ab.
Sie erweist im Gutes und nimmer Böses,
alle Tage ihres Lebens.
Sie sieht sich um nach Wolle und Leinen,
und arbeitet mit munteren Händen.
Sie ist gleich dem Kaufmannsschiffe,
das aus der Ferne sein Brot bringt. ...
Sie gürtet mit Kraft ihre Lenden,
und strengt ihre Arme an.
Sie spürt, wie ihr Erwerb gut ist;
es erlischt in der Nacht nicht ihre Leuchte.
Ihre Hände streckt sie nach dem Rocken,
und ihre Finger fassen die Spindel.
Ihre Hand bricht Brot dem Armen,
und ihre Hände streckt sie aus dem Dürftigen. ...
Gekannt ist an den Toren ihr Mann,
wenn er sitzt mit den Ältesten des Landes. ...
Ihren Mund tut sie auf mit Weisheit
und milde Lehre ist auf ihrer Zunge.
Sie bewacht die Gänge ihres Hauses,
daß keines das Brot der Faulheit äße.
Es treten ihre Söhne auf und preisen sie,
ihr Mann, und rühmt sie.
Viele Töchter haben sich wacker erwiesen,
du aber gehst über Alle.
Trug ist die Anmut und eitel die Schönheit;
ein Weib, das den Ewigen fürchtet, das werde gerühmt.
Gebet ihr von der Frucht ihrer Hände,
und es rühmen sie in den Toren ihre Werke."

Bei jung Verstorbenen wird oft die enttäuschte Hoffnung der Eltern ebenso hervorgehoben wie der plötzliche Tod. So auch bei dem kleinen Kindes Max Mayer (S 6/10, Grabstein Nr. 0061 von 1859):


Lieblingskind, Freude seiner Eltern und ihre Hoffnung.
Doch es wurde zu Trauer ihre Freude.

Ausführlicher ist die Inschrift des jungen Mannes David Wassermann (N -4/4, Grabstein Nr. 0840 von 1863):


Ein liebenswerter und angenehmer Jüngling,
er war erfolgreich, gut zu machen seinen Weg von Jugend an,
in seinem Tun ließ er erkennen,
daß lauter und redlich war sein Handeln.
Seine Arbeit (tat er) in Treue zum Besten seiner Eltern,
deren Hoffnung er war bis zum Tage seines Todes.
Geliebt von seinen Brüdern und Schwestern und den ihn Liebenden,
doch der Tod stieg ein in sein Fenster
und es wurde zu Trauer sein Tanz.

Bei jungen Mädchen werden besonders Tugenden wie Demut und Bescheidenheit betont, bei Jeanette Rosenthal (N -14/2, Grabstein Nr. 0877 von 1857) auch ihre Frömmigkeit:


Das Mädchen, die schöne Jungfrau,
sie fand Gefallen in den Augen aller, die sie sahen;
sie war bescheiden, zu wandeln auf den Wegen der Redlichkeit und des Guten
alle Tage ihres Lebens,
morgens und abends hielt sie nicht zurück ihr Gebet von ihren Lippen,
geliebt in ihrem Haus, und mit der Lust ihrer Hände verrichtete sie all ihre Taten.

Sehr zurückhaltend war man in Laupheim mit der Vergabe von Ehrentiteln. Meist ist dem Namen eines Mannes, wenn überhaupt, nur der geehrte oder der geehrte Herr vorgesetzt. Auch bei dem 1824 gestorbenen Rabbiner David Levi heißt es schlicht "Herr" (raw). Etwas ausfürlicher sind die Titulaturen der anderen Laupheimer Rabbiner: Rabbiner Kauffman (gest. 1853) wird Unser Lehrer genannt, Rabbiner Lämmle (gest. 1804), Rabbiner Wälder (gest. 1876) und Rabbiner Treitel (gest. 1931) Unser Lehrer, der Herr und unser Meister. Wenige besonders gelehrte Männer werden mit dem Titel chawer, "toragelehrt", ausgezeichnet.

Die hebräischen Inschriften können durch verschiedene Stilmittel ausgeschmückt werden. Eine ganze Reihe von Inschriften weist Endreim auf, einige wiederholen durch Akrostichon, den von oben nach unten zu lesenden ersten Buchstaben der Zeilen, den Namen des oder der Verstorbenen. Fünfmal ist das Sterbejahr durch ein Chronostichon angegeben, durch ein Wort, dessen Buchstaben den Zahlenwert des Sterbejahres ergeben.

Durch die Vielzahl erneuerter Grabmale läßt sich das erste Auftreten von deutschen Inschriften nicht genau bestimmen. Schon der Grabstein des 1796 gestorbenen Leopold Einstein hat eine deutsche Inschrift, doch einer Widmungsinschrift nach wurde dieses Grabmal im Jahr 1890 von den Nachkommen erneuert. Bis zum Jahr 1850 tragen allein elf Grabsteine eine solche Widmungsinschrift, die sie als zwischen 1864 und 1927 erneuert ausweisen. Die drei Grabmale der Familie Nördlinger aus dem Jahr 1847 tragen zwar keine entsprechende Widmungsinschrift, sind aber ebenfalls sicher erneuert, denn Teile der Originale befanden sich noch auf dem Friedhof. 13 weitere Grabmale aus diesem Zeitraum sind aufgrund gestalterischer Merkmale ebenfalls ziemlich sicher erneuert worden, teilweise wird diese Vermutung von Steinmetzsignaturen unterstützt. Alle diese erneuerten Grabsteine haben eine deutsche Inschrift. Manche wurden entsprechend dem Zeitgeschmack größer und aufwendiger gestaltet als die Originale, andere sind jedoch originalgetreue Kopien, die sich nur durch die Hinzufügung einer deutschen Inschrift vom ersten Grabstein unterscheiden. Die früheste originale deutsche Inschrift ist damit schwer zu bestimmen. Vielleicht ist es die Inschrift auf der Rückseite des Grabmals des 1827 gestorbenen Joseph Lewenstein (N -1/9, Grabstein Nr. 0815), die in kürzester Form nur den Namen und das Sterbedatum angibt. Aber erst Anfang der 1850er Jahre treten vermehrt deutsche Inschriften zu den hebräischen. Zuerst finden sie sich häufiger auf der Rückseite des Grabmals, schnell aber sind sie ebenso oft auf der Vorderseite unter dem hebräischen Text zu finden. Die meisten dieser Inschriften sind sehr kurz, nennen nur Name, Geburts- und Sterbedatum, manchmal auch das Datum der Eheschließung. Seit Anfang der 1870er Jahre werden die deutschen Inschriften fast immer mit "Hier ruht" überschrieben, selten auch mit "Denkstein" oder "Ruhestätte". Doch diese Überschriften beginnen schon Anfang der 1890er Jahre wieder seltener zu werden und finden sich schließlich bis in die 1930er Jahre nur noch verzeinzelt. Selten bleiben auch persönliche Bezüge, wie zum Beispiel "unser innigstgeliebter unvergesslicher Gatte und Vater" Leopold Einstein (N 13/4, Grabstein Nr. 0621 von 1887).

Schlußsegen sind in den deutschen Inschriften sehr selten, aber kaum eine der wenigen Wendungen wird wörtlich wiederholt. Unter einer Inschrift steht "Ehre ihrem Andenken", unter einer anderen "Möge sie sanft ruhen", einmal "Ruhe sanft", ein anderes Mal "Ruhe in Frieden", je einmal auch "Friede ihrer unsterblichen Seele" bzw. "Friede seiner Seele". An die hebräischen Inschriften angelehnt sind die Segenswünsche "Gott wolle sie gnädig im Paradies aufnehmen", "Gott möge ihn nach seinen Thaten belohnen" und "Sein Andenken bleibe zum Segen". Ganze fünfmal findet sich die Wendung "Ruhe" bzw. "Friede seiner/ihrer Asche". Auffallend ist, daß dabei zweimal der Buchstabe "s" im Wort "Asche" fehlt. Liegt hier ein Schreibfehler des Steinmetzen vor, oder sollte diese Schreibweise vielleicht ein versteckter Hinweis darauf sein, daß diese Schlußformel keinesfalls mit einer Feuerbestattung in Verbindung zu bringen sei? Diese ist, verbunden mit der jüdischen Vorstellung von der leiblichen Auferstehung, religionsgesetzlich verboten und führte in vielen Gemeinden zu heftigen Kontroversen. Andererseits führt sich gerade dieser Segen auf die hebräische Bibel zurück: Denn Staub bist du und zum Staub zurück kehrst du (Genesis 3,19).

Besonders hervorgehoben werden in den Inschriften auch die Funktionen und Ehrenämter, die insbesondere Männer innerhalb der Gemeinde übernommen hatten. Zum Beispiel hatte der 1853 verstorbene Jakob Kauffmann (N 5/12, Grabstein Nr. 0519), Rabbiner und Richter seiner Gemeinde, auch das Amt des Vorsängers und Beschneiders inne:


Jaakow, unser Lehrer,
ein gerechter und untadeliger Mann warst du bis zu deinem Tode,
Tag wie Nacht sannst du über der Lehre unseres Gottes,
deine Stimme hörten wir abends und morgens im Haus Gottes,
das Fleisch unserer Sähne hast du beschnitten und auch die Vorhaut des Herzens Israels,
in Lebenswandel und Gericht hast du deine Gemeinde geleitet,
Streit hast du ferngehalten
und Frieden zwischen dem Mann und seinem Bruder gestiftet....

Marx Rödelheimer bließ ins große Schofar für unsere Freiheit an den hohen Feiertagen in der Synagoge (N -2/11, Grabstein Nr. 0829 von 1816), und Baruch Lämmle (N 4/7, Grabstein Nr. 0500 von 1858) war Verwalter der Armenkasse und Kassenwart der Reparaturkasse, die zur Renovierung gemeindeeigener Gebäude eingerichtet wurde. Jakob Laupheimer (N 4/5, Grabstein Nr. 0498 von 1858) förderte das Wohl seines Volkes als Leiter und Vorsteher seiner Gemeinde, und Simon Straus war Vorbeter, Schächter und Fleischbeschauer, Toraschreiber und Beschneider (N 9/3, Grabstein Nr. 0570 von 1879). Isak Obernauer (N 16/13, Grabstein Nr. 0668 von 1898) diente mit großem Fleiß in der Synagoge, und der "Vorsteher und Führer unserer Gemeinde", Simon L. Steiner (N 26/1, Grabstein Nr. 0760 von 1937 widmete sich als "Präsident des Vereins Gib im Stillen" der innerjüdischen Armenfürsorge. Moses Rosenthal war viele Jahre Mitglied der Chewra Kaddischa, den Mittellosen zu helfen und Kranke zu besuchen (N 1/11, Grabstein Nr. 0466 von 1864). Die Mitgliedschaft in der Beerdigungsbruderschaft ist das einzige Ehrenamt, das auch in Inschriften für Frauen ausdrückliche Erwähnung findet: Babette Einstein (S 19/13, Grabstein Nr. 0252 von 1898) erwies Barmherzigkeiten in ihrem Leben als Vorsteherin des Frauenvereins, ebenso Fanny Steiner (S 25/3, Grabstein Nr. 0340 von 1920), deren Tätigkeit auch in der deutschen Inschrift besonders gewürdigt wird: "Unvergeßlich bleibt ihr mehr als 50jähriges Wirken als Vorsteherin des israelit. Frauenvereins". Bürgerliche Berufe werden dagegen nur selten und meist indirekt in den hebräischen Inschriften genannt. So trug zum Beispiel der Rechtsanwalt Jakob Wallensteiner, ein Mann, der Verständnis zeigte für den Rechtsfall der Mittellosen, das Brustschild des Gerichts auf seinem Herzen (N 10/9, Grabstein Nr. 0588 von 1881), und Bernhard Heilbronner starb zwei Jahre nach seiner Rückkehr aus der Armee des Königs (N 14/1, Grabstein Nr. 0631 von 1889). In den deutschen Inschriften werden dagegen mehrere Berufe erwähnt: ein Hoffactor, ein Schneidermeister, ein Metzgermeister, ein Kaufmann, ein Gemeinderath, ein Stadtrat, ein Fabriksdirektor, ein Kürschner, ein Ochsenwirt, ein Kommerzienrat, ein Oberamtswundarzt und sechs Rechtsanwälte, einer davon auch Justizrat. Und auch die Gemeindeämter finden in den deutschen Inschriften Erwähnung: Rabbiner, Lehrer, Kirchenvorsteher, Vorsänger, Kirchenpfleger, Stiftungspfleger, Vorsteher, Kantor und Bedekhabajitpfleger (Verwalter der Reparaturkasse).

Besonders in den 1860er Jahren wurden die deutschen Inschriften gerne durch lange, gereimte Gedichte ergänzt. Das Besondere gerade an den früheren dieser Gedichte ist, daß sie oft in schöner gereimter deutscher Sprache und eigenständigen Formulierungen die gleichen Inhalte vermitteln, wie die hebräischen Inschriften. Ein schönes Beispiel ist das Gedicht auf David Levinger (N 5/3, Grabstein Nr. 0510 von 1860), dessen hebräische Inschrift oben bereits wiedergegeben wurde:


"Hier liegt in Ruh' begraben
Ein Mann gar schlicht u. recht;
Beglükt mit edlen Gaben,
Im Glauben fromm u. ächt.

That Gutes viel den Armen
Daheim u. auf dem Weg;
Sein Herz stets voll Erbarmen,
War nie im Wohlthun träg.

Half Manchen aus mit Gelde,
Lud Wanderer gern zu Gast;
Unter seines Daches Zelte,
Fand der Oreoh [Gast] Ruh u. Rast.

That fürsprach gern, galt's Gutes,
Er eilt von Mann zu Mann
Und sammelt guten Muthes,
Sein Wort wog hart wie Bann.

Der Thora galt sein Leben,
Sie war ihm höchstes Ziel;
Im ewigen Heil sein Streben,
In Ehren sein Profil."

An die Stelle einer hebräischen Eulogie tritt das Gedicht auf Regina Weil (S 10/15, Grabstein Nr. 0129 von 1870):


"Fromm u. redlich war ihr Leben,
In der Gemeinde gar recht bekannt;
Den Ihren, auch Fremden galt ihr Streben,
Den Kranken reichte hilfreich sie die Hand;
So zeugt für sie gar manche That,
Der Himmel lohnt ihr die Erden Saat."

Nur wenige deutsche Inschriften stellen eine wörtliche Übersetzung der hebräischen Inschrift dar. Meist handelt es sich dabei um erneuerte Grabsteine, die wohl zunächst nur eine hebräische Inschrift trugen, die dann auch ins Deutsche übertragen wurde. Ein schönes Beispiel ist das im Jahre 1904 erneuerte Grabmal des 1882 gestorbenen Simon Friedberger (N 10/13, Grabstein Nr. 0592):


"Hier ruht ein Mann,
der in der Jugend das Joch getragen,
doch später jubelnd seine Garben einbrachte,
Simon Sohn d. Leopold Friedberger.
Er starb im glücklichen Greisenalter
75 Jahre alt,
Mittwoch d. 11 Thammus 5642.
Seine Seele weile im Lande des ewigen Lebens."

Die hebräische Inschrift setzt, parallel zur Widmungsinschrift, noch hinzu: Die Krone der Alten sind Kindeskinder und die Zierde der Kinder sind ihre Väter.

Auch die in hebräischen Inschriften beliebte Stilform des Akrostichons hat ihren Weg einmal in eine deutsche Inschrift gefunden, in die gereimte Inschrift auf der Rückseite des Grabmals von Marie Löffler (S 14/11, Grabstein Nr. 0187 von 1884):


"Mild und freundlich durchs irdische Leben
Arbeitsam und dem Gatten ergeben,
Ruhig, stille in Gott unter Leiden
Innig Schwester dem brüderlichen Blute
Eiltest himmelwärts, Marie, du Gute.
Lohne Gott dich mit himmlischen Freuden".

In den 1880er Jahren zeigt sich eine besondere Vorliebe für ausgefallene Umschreibungen des Sterbens. Waren bisher die üblichen Wendungen meist starb, verschied oder ging hin in seine/ihre Welt (nach Kohelet 12,5), so beginnen die Ausdrücke in den 1850er und 1860er Jahren etwas abwechslungsreicher zu werden. Seinen Höhepunkt erreicht dieser Prozess jedoch erst ab Ende der 1870er Jahre, allein 25 verschiedene Wendungen finden sich zwischen 1881 und 1892. Als Beispiel sei hier die Inschrift auf dem Grabmal der 1890 verstorbenen Jette Bernheim genannt (S 16/6, Grabstein Nr. 0205): Der, der scheidet zwischen dem Heiligen und dem Unheiligen, nahm ihre Seele am Ausgang des heiligen Schabbat... Im gleichen Zeitraum wird bei kurz vor oder am Schabbat Gestorbenen in der Angabe des Sterbedatums besonders häufig Bezug auf die Parascha genommen, den wöchentlichen Abschnitt des Pentateuch, der am entsprechenden Schabbat in der Synagoge gelesen wurde. Bezeichnenderweise endet diese Entwicklung abrupt mit dem Jahr 1892, demselben Jahr, in dem Rabbiner Kahn von Laupheim nach Heilbronn befördert wurde.

Nur ausnahmsweise enthält eine Grabinschrift einen Hinweis auf Krankheit und Todesursache. Manche enthalten allgemeine Formulierungen wie Sie lag auf dem Krankenlager alle Tage ihrer Jugend (S 7/10, Grabstein Nr. 0071 von 1850), Sechs Jahre litt er an seiner Krankheit und im siebten wurde er erlöst (N 9/11, Grabstein Nr. 0578 von 1884) oder Er litt mehrere Jahre auf seinem Lager an vielen und bösen Krankheiten (N -1/5, Grabstein Nr. 0811 von 1832). Manchmal wird im Vergleich mit der Erzmutter Rachel, die bei der Geburt ihres Sohnes Binjamin starb, der Tod im Wochenbett mit dem Zitat Genesis 35, 17-18 hervorgehoben: Und es geschah, als sie schwer gebar ..., als ihre Seele ausging, denn sie starb... (z.B. S 12/4, Grabstein Nr. 0150 von 1881). Zwei Inschriften betrauern den plötzlichen Tod junger Männer, die beim Baden ertranken, der achtzehnjährige Max Mayer: Doch plötzlich schwand die Hoffnung seiner Mutter, denn er wurde in ihr Haus gebracht, hinweggespült vom Wasser (N 5/8, Grabstein Nr. 0515 von 1859), und der zwanzigjährige Josef Stern: Er ging schwimmen im Fluß Riss, und das Wasser kam bis zu seiner Seele und sie war nicht mehr, denn es nahm sie Gott (N 6/11, Grabstein Nr. 0534 von 1868). Der Arbeitsunfall des sechzehnjährigen Adolf Neumaier in seiner Lehrwerkstätte, eine Bierbrauerei in Laupheim, wird sogar dreifach hervorgehoben: mit der Darstellung von Brauereigeräten im Giebel des Grabsteins, in der hebräischen und in der deutschen Inschrift, in der es heißt: "Er fand durch einen Unglücksfall bei der Arbeit einen allzufrühen Tod" (N 10/8, Grabstein Nr. 0587 von 1881). Mit seinem Militärdienst wird der Tod des schon erwähnten Bernhard Heilbronner zusammengebracht: Nach seiner Rückkehr aus der Armee des Königs war er an die zwei Jahre lang krank und starb ... (N 14/1, Grabstein Nr. 0631 von 1889). Einen Hinweis auf Depressionen gibt die Inschrift der Karoline Lämmle: Doch am Ende ihrer Jahre war sie schweren Geistes und seitdem eingeschlossen in ihr Haus, und sie beendete in Kummer ihre Tage und Jahre (S 7/4, Grabstein Nr. 0065 von 1860).

Besonders ausführlich sind die Inschriften für Abraham Laupheimer (N 7/15, Grabstein Nr. 0554 von 1872). Die lange deutsche Inschrift hat sich leider nur in Bruchstücken erhalten, die für sich aber schon eindrücklich genug sind: "Schmerzen gab die Welt ihm nur", "bald verlor sich des Geistes Lichtes Spur", "Zu Ende ist des Vaters und des Sohnes Leid, des Lebens Bitterkeit ...". Deutlicher ist die hebräische Inschrift: Ah, im Jahr zweiundzwanzig seines Lebens überkam ihn ein böser Geist, Grauen und Todesfurcht, und er wurde gebracht in das Haus der Heilung der Kranken in der Stadt Zwiefalten und war dort eingesperrt 42 Jahre lang bis zum Tage seines Todes. Das Sterberegister berichtet beim Tod des Vaters Jakob Laupheimer ausführlich über das Schicksal, das seine Familie getroffen hatte: "Dieser Mann hatte ein beispielhaftes hinderliches Mißgeschick, das wohl verdiente, hier vorgemerkt zu werden: Die anno 1843 gestorbene Gattin des Jakob Laupheimer, Zippora, geb. Binswanger, war lange Jahre irrsinnig, es mußte ihr ein dauerhaftes Hause zum Aufenthalt genannt werden, der Sohn Abraham ist seit anno 1830 im Irrenhause zu Zwiefalten auf öffentliche Kosten. Die zwei Töchter Klara und Nannette starben ledig, ebenfalls im Irrenhaus. Die zwei Töchter Sara und Madel sind mindestens im Geiste zurück zu offenbar und machten dem alten Vater in den letzten Jahren viel Verdruß und Kummer."

Von Mitte der 1850er Jahre bis Ende der 1880er Jahre bringen die Hinterbliebenen ihre Trauer in den hebräischen und deutschen Inschriften gleichermaßen verstärkt zum Ausdruck. So starb zum Beispiel Fanny Mayer zum Kummer ihres Gatten, ihrer Töchter und ihrer ganzen Familie (S 9/3, Grabstein Nr. 0099 von 1869) und Emil Einstein ließ seine Gattin und seine kleinen Kinder in tiefer Trauer zurück (N 9/8, Grabstein Nr. 0575 von 1878). Die junge Frau Bertha Heilbronner wird mit Worten aus dem Buch Jeremia betrauert: Auf diesen Sand lassen meine Augen eine Träne fließen, denn es wurde gebrochen die Jungfrau, Tochter meines Volkes... (S 15/5, Grabstein Nr. 0192 von 1887). "Die Gattin u. die Kinder weinen" um Leopold Friedberger (N 8/12, Grabstein Nr. 0566 von 1874) und über Heinrich Löffler heißt es: "Zu bald schlug ach! die Scheidestunde, Gram erfüllt ist unser Herz; Zu früh traf uns die Trauerkunde, Ließ uns zurück in tiefem Schmerz." (N 6/3, Grabstein Nr. 0526 von 1871)

Mit der Durchsetzung des Deutschen seit den 1850er Jahren ging eine langsame Reduzierung der hebräischen Inschriften einher. Bis Mitte der 1860er Jahre finden sich noch einige sehr lange hebräische Inschriften, dann werden diese immer seltener, die Angaben knapper, die Eulogien kürzer. Stilmittel wie Akrosticha und Reim werden schon seit den 1840er Jahren seltener und sind bald die Ausnahme. Die direkte oder indirekte Nennung des Lebensalters wird in den 1880er Jahren wieder zur Ausnahme und verschwindet Anfang des 20. Jahrhunderts ganz. Familiennamen werden seit 1900 nur noch selten genannt. Anfang des Jahrhunderts werden die Inschriften häufiger, die über und unter der deutschen Angabe von Namen und Daten nur noch die Einleitungs- und die Schlußformel auf hebräisch wiedergeben, selten auch den Namen und/oder das Sterbedatum. Im zweiten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts wird diese Art der Kombination von hebräischer und deutscher Inschrift die Regel, oft fällt das Hebräische auch ganz weg. 1927 beklagt der Laupheimer Rabbiner Treitel in einem Artikel in der "Gemeindezeitung der israelitischen Gemeinden in Württemberg" den starken Rückgang des Hebräischen seit Mitte des letzten Jahrhunderts, und er fügt hinzu: "Es wäre zu wünschen, daß man wieder allgemein zum früheren Brauche zurückkehrte, und wäre es auch nur, daß der hebräische Synagogenname wieder auf dem Grabsteine neben dem deutschen bürgerlichen Namen erschiene, etwa mit Beisetzung des althebräischen Segensspruches: 'Möge der bzw. die hier Ruhende Aufnahme finden in dem Verband der Seligen und fortleben'. Das wäre schön und freudig zu begrüßen als Zeichen des Wiederauflebens des Hebräischen als heilige Sprache"(4. Jg., Nr. 16, S. 495f.).

Sein Ruf blieb ungehört. Erst die wenigen Grabsteine, die nach Ende der Gewaltherrschaft der Nationalsozialisten in den Jahren 1945 bis 1947 gesetzt wurden, tragen wieder vornehmlich hebräische Inschriften. Und sie sprechen eine deutliche Sprache, deutlicher, als es wohl auch nach dem Krieg auf deutsch möglich gewesen wäre.

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Der jüdische Kalender

Der jüdische Kalender basiert auf dem Lunisolarjahr, einem kombinierten Sonnen- und Mondjahr. Ein Jahr besteht in der Regel aus zwölf Mondmonaten von 29 - 30 Tagen. Um die dadurch enstehende Differenz von etwa elf Tagen zum Sonnenjahr auszugleichen, wird das jüdische Jahr in einem Zeitraum von 19 Jahren nach festen Regeln siebenmal um einen 13. Schaltmonat ergänzt: Nach dem ins Frühjahr fallenden Adar wird ein weiterer Monat eingeschoben, der "zweite" Adar, auch Weadar.

Das Kalenderjahr beginnt mit dem Monat Tischri, der mit September/Oktober der christlichen Zeitrechnung zusammenfällt. Die Tage beginnen mit Sonnenuntergang und haben - bis auf den Schabbat - keine eigenen Namen. Sie werden mit dem Zahlenwert der ersten sechs Buchstaben des hebräischen Alphabets wiedergegeben.

Die Woche beginnt mit Einbruch der Dunkelheit am Samstag abend, Mozaei Schabbat, dem "Ausgang des heiligen Schabbat". Demnach ist Sonntag der 1. Tag der jüdischen Woche, Montag der 2. Tag, usw. Eine besondere Bedeutung kommt neben dem Schabbat auch dem 6. Tag der Woche zu, dem Freitag: Er wird meist als Erew Schabbat Kodesch, als "Vorabend des heiligen Schabbat" bezeichnet. "Vorabende" nennt man Tage vor einem Feiertag, an denen alles vorbereitet werden soll, was am Feiertage religionsgesetzlich zu tun verboten ist.

Die jüdische Zeitrechnung beginnt mit Erschaffung der Welt. Diese wird, etwa biblischer Chronologie entsprechend, auf das Jahr 3760 vor der christlichen Zeitrechnung datiert. So entspricht zum Beispiel das jüdische Jahr 5758 dem Jahr 1997-98 christlicher Zeitrechnung. Bei der Umrechnung der Daten muß man dabei beachten, daß das jüdische Jahr im Herbst beginnt.

Die Jahreszahl wird durch den Zahlenwert der Buchstaben des hebräischen Alphabets wiedergegeben, wobei der Tausender oft weggelassen und durch den Zusatz "der kleinen Zählung" ergänzt wird. Als Beispiel sei hier das Sterbedatum des Mosche, Sohn des Jizchak (S -6/2) genannt: Er verschied am Vorabend des heiligen Schabbat, 19. Elul 538 der kleinen Zählung, das ist Freitag, der 11. September 1778.

Das Datum kann auch durch die an die Jahreszeiten gebundenen Fest- und Feiertage wiedergegeben werden: Das erste der drei sogenannten "Wallfahrtsfeste" ist Pessach im Monat Nissan (März/April), das zum Gedenken an den Auszug aus Ägypten gefeiert wird und acht Tage dauert. Die ersten und letzten beiden Tage dieses Festes sind hohe Feiertage, die Tage dazwischen "Zwischenfeiertage", "Halb-" oder "Mittelfeiertage". Der letzte Schabbat vor Pessach wird Schabbat Hagadol genannt, der "große Schabbat".

Auf den 6. und 7. Sivan fällt das zweitägige "Wochenfest" Schawuot. Ursprünglich nur Erntedank- und Wallfahrtsfest, wurde es später zur Erinnerung der Offenbarung der Tora am Sinai und der Berufung Israels als Gottesvolk gefeiert.

Lag Ba 'Omer, der 33. Tag der "Omer-Zählung" in der Trauerzeit zwischen den Festen Pessach und Schawuot wird als Halbfeiertag festlich begangen. An diesem Tag soll das Sterben der Schüler des Rabbi Akiba (1.-2. Jhd. n.d.Z.) an einer Seuche nach 33 Tagen aufgehört haben.

Das neuntägige Laubhüttenfest Sukkot, das abschließende Erntedankfest, beginnt am 15. des Monats Tischri (mit fünf Zwischenfeiertagen, wie an Pessach). Es wird gefeiert in Gedenken an die Sukkot, die Hütten, in denen das Volk Israel nach dem Auszug aus Ägypten lebte. Die letzten drei Tage dieses Festes haben eigene Namen, die auch in der Datumsangabe genannt werden können: Hoschana Rabba ist der Tag, an dem die Entscheidung über die Gewährung des Regens für das kommende Jahr fällt und somit das göttliche Gericht, das am Neujahrsfest einsetzt, sich vollendet. Schemini Azeret ist das "Beschlußfest" des Laubhüttenfestes, der Abschied von der Laubhütte. Auf den 23. Tischri fällt Simchat Tora, die "Torafreude", der Tag, an dem die Beendigung und der Neubeginn des einjährigen Lesezyklus der Tora, des Pentateuch, fröhlich begangen wird.

Jeweils der erste Tag nach diesen drei hohen Festen, der "Nachfeiertag", wird Issru Chag genannt, der Tag des Ausgangs des Festes (wörtlich "Bricht das Festopfer" nach Psalm118,27).

Ein weiterer hoher Feiertag ist Rosch Haschana, das zweitägige Neujahrsfest (1. u. 2. Tischri), das die im Mittelpunkt des religiösen Jahres stehenden Jamim Noraim, die zehn Bußtage eröffnet. Diese schließen mit dem 10. Tischri, dem Jom Kippur (oder Jom Hakippurim), dem Versöhnungstag, der strengste und feierlichste Buß- und Fasttag des liturgischen Jahres. Der Tag nach dem Neujahrsfest ist ein Fasttag namens Zom Gedalja, das "Gedalja-Fasten", in Erinnerung an die Ermordung des Gedalja, des von Nebukadnezar nach der Zerstörung Jerusalems eingesetzten Statthalters (2. Kön 25,25f.; Jer 41,1ff.). In Zusammenhang damit stehen auch die Fasttage am 10. Tewet, dem Tag, an dem die Belagerung Jerusalems durch Nebukadnezar begann, und der 17. Tammus, an dem das babylonische Belagerungsheer die Stadtmauer von Jerusalem durchbrach. Der wichtigste Trauer- und Fasttag ist der 9. Aw, Gedenktag der Zerstörung der zwei Jerusalemer Tempel, der erste im Jahr 586 v.d.Z. durch Nebukadnezar, der zweite im Jahr 70 n.d.Z. durch die Römer. Der erste Schabbat nach diesem Tag wird Schabbat Nachamu genannt, nach dem ersten Wort der Haftara, der wöchentlichen Prophetenlesung, Jes 40, 1-27: "Tröstet, tröstet mein Volk ...". Entsprechend kann auch der ganze Monat Aw mit dem euphemistischen Namen Menachem, "Tröster", bezeichnet werden.

Ein historisches Fest ist das achttägige Chanukkafest, das nachbiblische "Tempelweihefest" im Monat Kislev in Erinnerung an die Neuweihe des zur Zeit der syrischen Religionsverfolgung entweihten Tempels in Jerusalem und damit an die Siege der Makkabäer.

Biblisch ist das fröhliche Purimfest im Adar (Februar/März), zur Erinnerung an die im Buch Esther berichtete Errettung des jüdischen Volkes vor drohender Vernichtung im persischen Reich. Der zweite Purimfesttag wird auch Schuschan Purim genannt, der Tag vor Purim ist ein Fasttag namens Ta'anit Esther. In einem Schaltjahr wird Purim im zweiten Adar begangen, die entsprechenden Tage im ersten Adar heißen Purim Katan, das "kleine Purim". Festlich begangen wird auch der 15. Schwat, das "Neujahrsfest der Bäume".

Eine weitere Möglichkeit, ein Datum wiederzugeben - vor allem, wenn dieses Datum auf einen Schabbat fällt -, ist durch die Nennung des Namens des Wochenabschnittes der Tora gegeben, der Parascha (Perikope), deren Lesung an diesem Schabbat beendet wird. Außerdem werden gern die Anfänge eines jeden Monats, die Neumondtage, hervorgehoben, auch sie Halbfeiertage.

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Ausgewählte Literatur:

Eduard Mahler: Handbuch der jüdischen Chronologie, Frankfurt a.M. 1916, Nachdruck Hildesheim 1967

Moritz Zobel: Das Jahr der Juden in Brauch und Liturgie, Berlin 1936

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Übersicht über den jüdischen Kalender

Tischri

30 Tage, September/Oktober

1.-2. Tischri: Rosch Haschana

3. Tischri: Zom Gedalja

10. Tischri: Jom Kippur

15.-23. Tischri: Sukkot

21. Tischri: Hoschana Rabba

22. Tischri: Schemini Azeret

23. Tischri: Simchat Tora

24. Tischri: Issru Chag Sukkot

(Mar)Cheschvan

29/30 Tage, Oktober/November

Kislev

29/30 Tage, November/Dezember

25. Kislev: Chanukka (8 Tage)

Tewet

29 Tage, Dezember/Januar

10. Tewet: Fasttag

Schwat

30 Tage, Januar/Februar

15. Schwat: Neujahrsfest der Bäume

Adar

29 Tage, Februar/März

13. Adar: Ta'anit Esther

14. Adar: Purim

15. Adar: Schuschan Purim

Zweiter Adar

29 Tage, März/April

Nissan

30 Tage, März/April

15.-22. Nissan: Pessach

23. Nissan: Issru Chag schel Pessach

Ijar

29 Tage, April/Mai

18. Ijjar: Lag Ba 'Omer

Sivan

30 Tage, Mai/Juni

6.-7. Sivan: Schawuot

8. Sivan: Issru Chag Schawuot

Tammus

29 Tage, Juni/Juli

17. Tammus: Fasttag

Aw

30 Tage, Juli/August

9. Aw: Fast- und Trauertag

Elul

29 Tage, August/September

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Quellen

Die in dieser Dokumentation verwendeten Quellen umfassen in erster Linie die Personenstandsregister der jüdischen Gemeinde Laupheim, die seit dem Jahr 1833 geführt wurden. Diese sind zwischen Oktober 1944 und 3. März 1945 im Auftrag des Reichssippenamtes verfilmt worden, die Originale sind verschollen. Die Mikrofilme der württembergischen Register wurden kurz nach dem Krieg vom Hauptstaatsarchiv Stuttgart angekauft, Kopien der Laupheimer Register befinden sich heute auch im Stadtarchiv Laupheim. Es handelt sich um folgende Quellen:

Auswanderungsregister, 1848 bis 1872 [RSA J 1836] ; enthält die Namen des oder der Ausgewanderten und der Eltern, das Geburtsdatum, Zeitpunkt und Ziel der Auswanderung sowie gegebenfalls den Beruf.

Familienregister, ca. 1833 bis ca. 1875 [RSA J 1834] ; enthält die Namen von Hausmutter und Hausvater, deren Geburtsdaten und das Datum der Eheschließung, die Namen ihrer Eltern und die Namen der Kinder mit Angabe der Daten von Geburt und "Confirmation" (Bar- bzw. Bat Mizwa), teilweise auch Zeitpunkt der Verehelichung und Sterbedatum.

Gräberliste [RSA J 1835], von Rabbiner Treitel aufgestelltes Verzeichnis aller seinerzeit noch zu identifizierenden Grabsteine auf dem Friedhof bis ins Jahr 1916, unterteilt in nördliche (N) und südliche (S) Friedhofshälfte und ergänzt durch eine alphabetische Namensliste; enthält den Namen des Verstorbenen, das Sterbedatum und teilweise Angaben zum Standort des Grabsteins.

Geburtsregister, Januar 1833 bis Mai 1938 [RSA J 1828] ; enthält die Namen des Kindes und seiner Eltern, Ort und Zeit der Geburt sowie bei Knaben Datum der Beschneidung, Name des Beschneiders und der Zeugen.

Heiratsregister, April 1833 bis August 1938 [RSA J 1830] ; enthält die Namen der Brautleute und ihrer Eltern, Beruf und Aufenthaltsort, Familienstand, Geburtsdaten, Ort und Zeit der Eheschließung, den Namen des Rabbiners, der die Trauung vorgenommen hat, sowie die Namen der Trauzeugen.

Sterberegister, Juni 1833 bis März 1940 [RSA J 1832] ; enthält die Namen des bzw. der Verstorbenen, der Eltern und gegebenenfalls des Ehepartners, Beruf und Aufenthaltsort, Alter, Todesursache sowie Ort und Zeit von Tod und Beerdigung.

Von den Registern der Gemeinde Ulm:

Auszüge aus dem Sterberegister von 1819-1895 [RSA J 3075]; enthält die Namen des bzw. der Verstorbenen, der Eltern und gegebenenfalls des Ehegatten, Beruf und Aufenthaltsort, Alter, Todesursache sowie Ort und Zeit von Tod und Beerdigung.

Auszüge aus dem Sterberegister von 1819-1887 [RSA J 3076]; enthält die Namen des bzw. der Verstorbenen, der Eltern und gegebenenfalls des Ehegatten, Beruf und Aufenthaltsort, Alter, Todesursache sowie Ort und Zeit von Tod und Beerdigung.

Auszüge aus dem Sterberegister von 1912-1924 [RSA J 3077]; enthält die Namen des bzw. der Verstorbenen, der Eltern und gegebenenfalls des Ehegatten, Beruf und Aufenthaltsort, Alter, Todesursache sowie Ort und Zeit von Tod und Beerdigung.

Diese Quellen wurden inzwischen vom Hauptstaatsarchiv Stuttgart digitalisiert und online zugänglich gemacht.

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Zitation der digitalen Edition

Digitale Edition - Jüdischer Friedhof Laupheim (1761-1979 / 921 Einträge)
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