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Detmold 102 inscriptions (1729-1913)

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TEI P5

Projekt

Die hundert ältesten Grabsteine auf dem jüdischen Friedhof Detmold an der Spitzenkamptwete, die vom 1954 eingeebneten Vorgängerfriedhof am ehemaligen Lemgoer Tor stammen, werden 2017 im Auftrag der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Lippe e.V. dokumentiert. Der Auftrag wurde initiiert durch den langjährigen Geschäftsführer der Gesellschaft Jörg Ehrlicher. Er ermöglichte den Kontakt zu dem Künstler und Fotografen Ulrich Heinemann und stellte gemeinsam mit dem Schatzmeister der Gesellschaft Rüdiger Schleysing die Förderung des Projektes sicher. Jörg Ehrlicher begleitete die Erfassungsarbeiten des Salomon-Steinheim-Institutes regelmäßig und hielt ebenfalls engen Kontakt zu der Jüdischen Gemeinde Detmold-Herford.

Lage

Detmold, Spitzenkampwete

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Geschichte

Das genaue Alter des alten Detmolder jüdischen Friedhofs vor dem Lemgoer Tor ist unbekannt. In den Jahren 1650/52 wurde die Gemeinde erstmals mit der Bitte vorstellig, einen eigenen Begräbnisplatz anlegen zu dürfen. 1724 wird der Friedhof erstmals erwähnt und war damals bereits vollständig belegt. 1726 konnte ein angrenzender Garten zur Erweiterung erworben werden, der allerdings stark abschüssig und daher nur schwierig zu belegen war. Eine Mauer zur Absicherung durfte nicht gebaut werden, doch 1763 beschwerte sich der Rat der Stadt darüber, dass der Friedhof noch immer nicht eingefriedet sei. Nur mit großer Mühe konnte die jüdische Gemeinde nun den Bau einer Mauer finanzieren. 1773 wurde die Belegung des inzwischen überfüllten alten Teils untersagt. Als 1829/30 ein Teil des alten und neuen Teils überbaut wurde, wurden die betroffenen Gräber und Grabsteine unter Aufsicht von Gemeindemitgliedern umgebettet. 1879 bemühte sich die Gemeinde vergeblich um die Genehmigung zur Anlage eines neuen Friedhofs, und konnte erst 1883 gegen den Widerstand des Magistrats, aber mit Erlaubnis der Lippischen Reirung einen 1477 qm großen Garten an der Spitzenkampwete zur Anlage eines neuen Friedhofs erwerben.

1939 musste die Reichsvereinigung der Juden in Deutschland das Grundstück des alten Friedhofs an die Stadt Detmold verkaufen. 1948 wurden die "noch brauchbaren Steine" vom stark verwahrlosten alten Begräbnisplatz auf den neuen Friedhof an der Spitzkampwete gebracht und dort neu aufgestellt. In der Folge wurde der alte Friedhof zubetoniert und als Parkplatz genutzt.

1994 wurde der neue Friedhof an der Spitzkampwete, der heute wieder von der jüdischen Gemeinde als Begräbnisplatz genutzt wird, in die Denkmalliste der Stadt Detmold eingetragen.

Literatur

Dina van Faassen: "'Hier ist ein kleiner Ort und eine kleine Gegend' - Hofjuden in Lippe", in: Hofjuden - Ökonomie und Interkulturalität. Die jüdische Wirtschaftselite im 18. Jahrhundert, hrsg. von Rotraud Ries und J. Friedrich Battenberg (Hamburger Beiträge zur Geschichte der deutschen Juden, Bd. XXV), Hamburg 2002, S. 289-331.

Dina van Faassen: "Jüdisches Frauenleben in Lippe bis 1858", in: Lippische Mitteilungen aus Geschichte und Landeskunde, Bd. 62 (1993), S. 129-160.

Dina van Faassen und Jürgen Hartmann (Bearbeiter): "Dennoch Menschen von Gott erschaffen" - Die jüdische Minderheit in Lippe von den Anfängen bis zur Vernichtung, Katalog und Arbeitsbuch zur Wanderausstellung, hrsg. von der Stadt Detmold und dem Kreis Lippe, Bielefeld 1991.

Michael Guenter: Die Juden in Lippe von 1648 bis zur Emanzipation 1858 (Sonderveröffentlichungen des Naturwissenschaftlichen und Historischen Vereins für das Land Lippe, 20), Detmold 1973.

Klaus Pohlmann: "Die Verbreitung der Handwerke unter den Juden". Zur Geschichte der jüdischen Handwerker in Lippe im 18. und 19. Jahrhundert (Panu Derech - Bereitet den Weg. Schriften der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Lippe, 8), Detmold 1993.

Jürgen Hartmann: Die Denkschrift des Detmolder Lehrers und Predigers Moritz Rülf über die Synagogen und Friedhöfe in Lippe 1936/37, in: Rosenland. Zeitschrift für lippische Geschichte, Nr. 9, September 2009, S. 20-38.

Karl Hengst/Ursula Olschewski (Hg.): Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinschaften in Westfalen und Lippe. Die Ortschaften und Territorien im heutigen Regierungsbezirk Detmold, Münster 2013.

Elfi Pracht: Jüdisches Kulturerbe in Nordrhein-Westfalen. Teil III: Regierungsbezirk Detmold, Köln 1998, S. 302-311.

Biographisches Handbuch der Rabbiner, herausgegeben von Michael Brocke und Julius Carlebach. Teil 1: Die Rabbiner der Emanzipationszeit in den deutschen, böhmischen und großpolnischen Ländern 1781 - 1871, bearbeitet von Carsten Wilke, München 2004.

Archivalische Quellen

StA Detmold, Personenstandsarchiv Westfalen-Lippe, Zivilstandsregister der Juden für die Stadt Detmold, Kreis Detmold (GHT 1809-1875)

StA Detmold, Personenstandsarchiv Westfalen-Lippe, Zivilstandsregister für das Amt Detmold, Kreis Detmold mit den Orten Haustenberck, Heidenoldendorf, Heiligenkirchen (G 1818-1875, H 1813-1871, T 1815-1873)

Edition

Nathanja Hüttenmeister, Anna Martin

Fotografie

Ulrich Heinemann, Anna Martin, Nathanja Hüttenmeister

Zitation der digitalen Edition

Digitale Edition - Jüdischer Friedhof Detmold (1729-1913 / 102 Einträge)
URL: http://www.steinheim-institut.de/cgi-bin/epidat?id=dtm

 

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